Kabul

    Das Mantra vom gemeinsamen Abzug

    Seit Monaten kocht immer wieder die Diskussion über den Abzug der westlichen Kampftruppen aus Afghanistan hoch. Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière pocht bei einem Besuch in Kabul auf den vereinbarten Termin Ende 2014 – die Debatte aber wird ihn immer wieder einholen.

Randnotizen
Reporter berichten über kleine Katastrophen und heimliche Helden ihres Alltags

 
Geräusche im Nebel „Wenn der Mumm hat, landet er jetzt“, sagt ein Bundeswehrsoldat. In seiner Stimme klingt aber wenig Hoffnung mit. Über dem Flugfeld des Feldlagers ist die kreisende Transall zu hören, sehen lässt sie wegen der dichten Wolkendecke aber nicht. Die Transportmaschine der Bundeswehr soll deutsche Soldaten nach Masar-i-Scharif bringen, von wo aus die Heimreise nach Deutschland [...]
 
Gute-Nacht-Lieder zwischen Trümmern Während meines Besuchs in Haiti kurz nach dem schweren Erdbeben bin ich im Gästehaus der Caritas in Port-au-Prince untergekommen. Es hätte sogar ein Zimmer für mich gegeben, aber ich schlafe lieber in einem Zelt im Hof. Schließlich gibt es immer noch Nachbeben.
 
Der Nachrichten-Wettlauf Gerichtssprecher Franz Cutka unterdrückt nur mühsam ein noch breiteres Grinsen. Ob er nicht etwas tun könne, hat ihn gerade ein Reporter verzweifelt gefragt.
 

    Der Reporter bleibt unersetzlich

    Naturkatastrophen, Terroranschläge, militärische Konfrontationen und politische Unruhen – es gibt so gut wie keinen Brennpunkt rund um den Globus, an dem AFP nicht mit eigenen Reportern vor Ort ist. Die Liste dieser oft riskanten Einsätze für eine unabhängige und authentische Berichterstattung ist lang. Dabei zählt AFP mit seinen Korrespondenten immer wieder zu jenen Medien, die zuerst am Ort des Geschehens auftauchen und bis zuletzt dort ausharren: vom Krieg im Gazastreifen über die Terroranschläge in Mumbai bis hin zum Erdbeben im italienischen L’Aquila.

    Es sind Einsätze dieser Art, mit denen sich AFP über die Jahrzehnte hinweg den Ruf einer Reportage-Agentur par excellence erworben hat. Der deutschsprachige Dienst von AFP profitiert dabei von dem engmaschigen weltweiten AFP-Netz. Mit ca. 1200 fest angestellten Journalisten (unter ihnen 250 Fotografen) und mehr als 2000 freien Mitarbeitern in 165 Ländern ist es das dichteste weltweite Korrespondentennetz überhaupt.

    Der deutsche AFP-Dienst begnügt sich aber nicht damit, die Berichte seiner internationalen Kollegen umzuschlagen. Seit 2002 gibt es innerhalb der AFP GmbH einen eigenen „Reporterpool“, der für weltweite Reportageeinsätze bereitsteht. Gegründet wurde der Pool vor dem Hintergrund der gewachsenen internationalen Rolle Deutschlands, die sich u.a. im weltweiten Einsatz deutscher Soldaten und Hilforganisationen manifestiert. Viele Krisen und Katastrophen an fernen Orten sind nicht mehr wirklich „fern“, da sie auch deutsche Staatsbürger und deutsche Interessen direkt betreffen. Ist dies der Fall, dann brechen häufig deutsche AFP-Reporter auf, um die internationalen Teams der Agentur vor Ort zu unterstützen und speziell im Hinblick auf die Bedürfnisse und Interessen der Kunden in Deutschland zu berichten.

    Korrespondenten des deutschen AFP-Dienstes berichteten in den vergangenen Jahren etwa aus Afghanistan über den Einsatz der Bundeswehr, aus Georgien über die Patrouillen deutscher EU-Beobachter und aus dem Westjordanland über die Ausbildung palästinensischer Polizisten durch BKA-Beamte. Die deutschen Reporter reisen zudem nicht nur in Konfliktgebiete, sondern unterstützen die internationalen AFP-Teams auch bei anderen Topgeschichten, deren Abdeckung besonders aufwändig ist und die in Deutschland auf besonderes Interesse stoßen – wie etwa im Falle des Prozesses gegen den Inzestvater von Amstetten.

    Auf diese Weise leisten die deutschen Reporter ihren Beitrag dazu, dass AFP sich in bewährter Tradition in der Gattung der Reportage hervortut. Sie ist das schwierigste aller journalistischen Genres - und besonders schwierig dann, wenn sie unter widrigsten Bedingungen recherchiert und verfasst werden muss. Die Mühen aber sind es wert.

    Zwar mag die rasant voranschreitende kommunikationstechnische Vernetzung des Globus auch manchem Nachrichtenmacher vorgaukeln, dass sich vom Computer aus die ganze Welt erkunden lässt. Doch wenn etwa in militärischen Konflikten die verfeindeten Parteien mit Hilfe aller modernen Kommunikationsmittel die Berichterstattung zu dirigieren versuchen, ist der eigenständig vor Ort tätige Reporter ein wichtiges Korrektiv. Und wenn Konflikte und Krisen in der Berichterstattung aus den Machtzentren oft auf eine Konfrontation der politisch und militärisch Verantwortlichen reduziert werden, lässt der Reporter vor Ort die unmittelbar Betroffenen - Versehrte und Flüchtlinge, Soldaten und Helfer – zu Wort kommen.

    Weil er Informationen, Erkenntnisse und Perspektiven liefert, die sich allein durch seine mühsame, hartnäckige und oft gefährliche Arbeit gewinnen lassen, bleibt der Reporter auch in der modernen Nachrichtenwelt unersetzlich. Bei AFP wird er immer ein Zuhause haben.

    Daniel Jahn, Chefredakteur AFP GmbH

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In ständiger Gefahr

Auf dem schmalen Feldweg, der in das Dorf Mohammad Dad südlich von Kundus führt, warten vier Bundeswehrsoldaten in ihrem Dingo auf den restlichen Konvoi, als sich plötzlich zwei Afghanen dem schwer gepanzerten Fahrzeug nähern. Einer von ihnen blickt starr in die Fahrerkabine, der andere schießt Fotos mit seinem Handy.

Skepsis bei der Adventsfeier in Kundus

Auf der Adventsfeier der Bundeswehr in Kundus werden Fragen zur anstehenden Truppenreduzierung eher knapp beantwortet. “Die in Berlin machen sowieso, was sie wollen”, sagt ein Oberfeldwebel, der zum Feldanzug eine Weihnachtsmütze trägt und in der Hand einen Plastikbecher mit Glühwein hält. “Und wir machen hier irgendwie unseren Job weiter.”

Mit Kopftuch und Kalaschnikow

Rabia und die anderen Polizeischülerinnen ignorieren den Lärm der draußen im Gleichschritt um den Block marschierenden Rekruten. Aufmerksam lauschen sie ihrem Ausbilder, der mit ihnen noch einmal die Dienstgrade der afghanischen Polizei durchgeht. “Abzeichen und so, das ist für die hier sehr wichtig”, flüstert ein deutscher Polizist, der in der letzten Reihe sitzt.

Mit der Kraft der Sonne aus der Krise

Griechenland hat einen gigantischen Schuldenberg, ein Haushaltsdefizit von 9,5 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 16 Prozent – aber gut 300 Sonnentage im Jahr. Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, wollen die Griechen den Deutschen daher Solarstrom verkaufen.

Athen

Die Krux mit den Reformen

Griechenland muss wohl noch mehr sparen: Die sogenannte Troika aus Vertretern von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) will Anfang kommender Woche nach Athen zurückkehren. Dafür musste die griechische Regierung aber offenbar weitere Zugeständnisse machen – auf die Bevölkerung kommen neue harte Einschnitte zu.

Athen

Ratlos und verbittert

Über ihre Regierung und die immer neuen Sparmaßnahmen können die meisten Griechen nur noch den Kopf schütteln. “Ich verstehe das alles nicht mehr. Jede Woche gibt es neue Kürzungen”, sagt eine Athenerin, die ihre Einkaufstüten nach Hause trägt. Zwar gibt es in Athen auch am Donnerstag wieder Streiks und Protestmärsche – wie nach jeder Kürzungswelle der Regierung. Neben Ärger und Wut herrscht in der griechischen Hauptstadt mittlerweile aber vor allem Ratlosigkeit und Verbitterung.

Minsk

“Tschernobyl-Igel”

Sie waren “Tschernobyl-Igel”. Jewgenia Filomenko weiß bis heute nicht, warum in Minsk Umsiedler aus den stark verstrahlten Gebieten in Süd-Weißrusslands so verspottet wurden – nur dass es nicht freundlich gemeint war.

Wetka

Leben mit einem Monster

“Tschernobyl?”, Dennis schüttelt den Kopf. “Keine Angst.” Neunjährige fürchten sich nicht mehr vor Monstern, jedenfalls nicht vor solchen, mit denen sie aufwachsen, als gehörten sie dazu.

Jericho im Westjordanland

Spurensuche am Tatort Jericho

Die Bluttat ereignete sich vor den Augen palästinensischer und deutscher Polizisten am Rande Jerichos im Westjordanland. Eine Mitarbeiterin einer ausländischen Nichtregierungsorganisation wurde brutal getötet.

Glinna

Letzte Ruhe für die Toten von Marienburg

“Da lag ein Kinderkopf vor mir.” Wenn Bodo Rückert über das Massengrab im polnischen Marienburg (Malbork) spricht, ist er immer noch sichtlich betroffen. Die mehr als 2100 Leichen aus dem Zweiten Weltkrieg waren im Oktober zufällig beim Bau eines Hotels am Fuße der berühmten Ordensburg in Marienburg gefunden worden.