Eine Insel für deutsche Helfer
Hotel «Langeoog Inn» in Sri Lanka ist seit der Flut Krisenzentrum
 
von  Daniel Karl Jahn

Als die Riesenwellen die Bucht vor dem Hotel in Unawatuna verwüsteten, wollten Gerd Kielhorn und Andrea Kendziora-Kühn gerade frühstücken. Nur wenige Meter unterhalb ihrer Terrasse riss das Wasser Menschen, Tiere, Möbel und Autos mit sich. Die Hotelbesitzer überlebten, weil ihr Haus hinter dem Hotel «Langeoog Inn» auf einem Hügel liegt. Im Erdgeschoss der Herberge in dem südsrilankischen Ortsteil Ganahena schlug das Wasser Türen aus den Angeln und verwüstete alle Zimmer. Das Obergeschoss ist seit dem 26. Dezember ausgebucht: Das Hotel wurde zum Stützpunkt für deutsche Helfer. Der Mann fürs «Fisch-Business», wie Kielhorn seine saisonweise Arbeit auf der deutschen Nordseeinsel Langeoog nennt, hat seither viel mit Bayern, Pfälzern und Badensern zu tun.

Am Dienstagabend ist ein neuer Trupp der Berufsfeuerwehr aus Ludwigshafen und der Münchener Flughafenfeuerwehr eingetroffen. Seit Tagen schon pumpen ihre Kollegen die von Salzwasser, Kadavern und Müll verseuchten Trinkwasserbrunnen in der Region aus. Es ist ein freiwilliger Job, den die 15 Mann übernommen haben. «Als wir die Idee hatten, war das erst als Gaudi gedacht, doch hier ist es Ernst geworden», sagt Andreas Tattler aus München. Was er hier sehe, «übertrifft die Fernsehbilder». So wie der 29-Jährige ist auch die Notärztin Martina Lenz-Herrmann freiwillig in Unawatuna. Sie baue ihre Überstunden ab, indem sie «Wunden ausräumt». Viele Verletzte kämen erst jetzt, mehr als drei Wochen nach der Flut mit schwer vereiterten und infizierten Wunden zu ihr.

Kielhorn und seine Helfer haben in einem nahen Steinbruch eine kleines Zeltlager aufgebaut, in dem täglich rund 500 Essen gekocht und etwa 300 Brote für die Flutopfer gebacken werden. In einem blauen Zelt des Innenministeriums lagern Fertigprodukte eines Schweizer Babynahrungsherstellers. Diese «Lunchpakete» verteilen einheimische Helfer nach Gutdünken im schwer zerstörten Ort an Familien mit Kindern. So kommen Feine Obstbreie, Kinderkekse und Banane-Apfel-Früchteriegel mit den Katastrophen auch in die Armenviertel.

“So lange es keine Instant-Babymilch ist», welche die Menschen aus Unkenntnis mit verseuchtem Wasser aufkochten, sei das übergangsweise «für Kinder allemal besser als irgendwelche Rohnahrung», sagt die Unicef-Mitarbeiterin in Sri Lanka, Dorothee Klaus, in Anspielung an frühere Erfahrungen mit einem bestimmten Weltunternehmen. Ein Problem sei es aber, wenn nach der Phase der Nothilfe weiter «Nahrungsmittel ins Land fließen und die Leute schon wieder selbst kochen können». Das führe zu Abhängigkeiten, sagt Klaus.

Nahrungsmittel und Medikamente gibt es im Überfluss im Flutgebiet. Dagegen herrscht noch immer teils dringender Bedarf an Zelten, Kochern und Küchenutensilien aller Art. Nach Angaben einer Sprecherin der Deutschen Welthungerhilfe lässt sich ein Haushalt einer vierköpfigen Familie mit etwa 20.000 Rupien (etwa 200 Euro) komplett mit den wichtigsten Küchengeräten und Möbeln ausstatten. Einen einfachen Reiskochtopf gibt es schon für 350 Rupien.

Ohne Trinkwasser sind Töpfe nutzlos. Auch Dietrich Maier, Professor für Chemie und Wissenschaftler am Heinrich-Sontheimer-Laboratorium für Wassertechnologie der Universität Karlsruhe, wohnt mit zwei Mitarbeitern der Stadtwerke im «Langeoog Inn». Sie sollen ein Zentrallabor für Wasseranalysen einrichten. Vor allem Salzwasser habe die Brunnen vergiftet. «Das kann man nicht mit der Zunge probieren, da reicht ein Tropfen, und man hat ein Problem», sagt der Chemiker.

Gleichzeitig soll Maier für die Stadt langfristige Kooperationsprojekte suchen. Karlsruhe wolle lieber gezielt Projekte wie Kindergärten, Schulen oder etwa eine Universität unterstützen, als eine der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angeregten Städtepatenschaften eingehen, sagt Maier. Vorerst wird er in Unawatuna für diese Suche noch Zeit haben, denn seine 20 Meerwasserentsalzungsanlagen der Europäischen Brunnengesellschaft stehen noch in Deutschland.

Kielhorn gründete mit Freunden die Aktion «Langeoog hilft», durch die bereits mehr als 50.000 Euro Spendengelder zusammenkamen. Als eine der nächsten Arbeiten sollen Taucher das Riff in der Bucht säubern. «Dann gehen wir alle demonstrativ baden, damit die Menschen hier wieder ins Wasser gehen», sagt Kielhorn.

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