Training mit alten Kalaschnikows
Deutsche bilden in Masar-i-Scharif afghanische Soldaten aus
 
von  Julia Naumann

Für die Zukunft Afghanistans ist der Aufbau der Sicherheitskräfte nach Ansicht der Bundesregierung von besonderer Bedeutung. Erst wenn afghanische Soldaten ihr Land selbstständig befrieden können, kann es auch einen schrittweisen Rückzug der internationalen Truppen geben, sagt Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Doch eine schlagkräftige afghanische Armee gibt es bisher noch nicht. Die Bundesregierung will die Ausbildung jetzt vorantreiben, die größtenteils von den USA finanziert wird.

Afghanischer Soldat
Afghanischer Soldat ((c)AFP)
Offiziell zählt die afghanische Armee 38.000 Soldaten, von denen viele in dem über zwanzig Jahre andauernden Bürgerkrieg gekämpft haben. Die tatsächliche Einsatzbereitschaft liegt nach Einschätzung der Bundesregierung aufgrund von Fahnenflucht und Ausbildungsmängeln nur bei rund 16.000 Soldaten. Bis Ende 2010 hat sich die Staatengemeinschaft vorgenommen, 70.000 Soldaten auszubilden.

In der Nähe des nordafghanischen Lagers Masar-i-Scharif trainiert die Bundeswehr derzeit junge Afghanen in einem zehnwöchigen Grundkurs. Die täglichen Übungen finden auf staubigem Boden unter freiem Himmel statt. Die Fahrzeuge vom Typ Ranger wurden von der US-Armee gestiftet, genauso wie die Uniformen. Die Kalaschnikow-Gewehre stammen allerdings noch aus alten Beständen. Die Deutschen sehen sich vor allem als Mentoren, helfen beim Aufbau der Armeestrukturen und schulen Führungspersonal.

“Ziel ist es, bis Ende 2008 in sechs Provinzhauptstädten im Norden jeweils mindestens 700 afghanische Soldaten zu stationieren», sagt der zuständige Bundeswehr-Offizier. Damit soll «in der Fläche» mehr Sicherheit garantiert werden. Derzeit arbeiten in Nordafghanistan rund 70 Deutsche in Operativen Ausbildungs- und Verbindungsteams (OMLT) mit US-Ausbildern zusammen. Die USA haben die Führungsrolle für die Sicherheitsreformen und finanzieren deswegen die Ausbildung.

Über den Hintergrund und die ideologische Ausrichtung der angehenden Soldaten wissen die Deutschen nicht viel, jedoch seien sie «außerordentlich motiviert», sagt der Bundeswehr-Offizier. Außerdem könnten immerhin mindestens ein Drittel lesen und schreiben. Die Soldaten verpflichten sich, loyal zur afghanischen Staatsregierung zu stehen. Doch ob Aufständische oder gar fundamentalistische Taliban in die neue Armee einsickern oder Informationen heraustragen – das können die Deutschen nicht beeinflussen. In der Vergangenheit gab es zusätzlich das Problem, dass viele der Auszubildenen nur teilweise zu den Kursen kamen oder anschließend nie wieder in ihrer Einheit auftauchten. Dies soll jetzt besser geworden sein, auch weil die Soldaten vom örtlichen afghanischen Kommandeur genauer ausgesucht werden.

Ist die Grundausbildung abgeschlossen, sollen die Soldaten laut Konzept der Bundesregierung von ihren Ausbildern in den Einsatz begleitet werden. Das könnte dann auch bedeuten, dass einzelne deutsche Soldaten in den umkämpften Süden gehen. Doch das erwies sich in der Praxis bisher als schwierig. Als das neue Bataillon im Mai nach dem Willen der afghanischen Regierung aus dem Norden in den Süden verlegt werden sollte, gingen die Deutschen nicht mit. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhahn hielt die Kampfeinheit für noch nicht einsatzfähig. Deshalb habe er es nicht verantworten können, das deutsche Ausbildungsteam mitzuschicken. Inzwischen hat sich das Problem erledigt. Die afghanische Regierung ist mittlerweile davon abgerückt, Soldaten vom Norden in den Süden verlegen zu wollen.


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