Keine Angst vor dem Ende der Grenzkontrollen
 
von  Claudia Wessling

Deutsche und Polnische Polizisten
Deutsche und Polnische Polizisten ((c)AFP)
Adam Tomasko und Jörg Müller beginnen ihren Rundgang auf dem Basar der polnischen Grenzstadt Slubice. “Bis zu 60 Prozent sparen im Vergleich zu deutschen Preisen” werben die Zigaretten-Händler auf Deutsch. Während der polnische Wachtmeister einem Passanten den Weg erklärt, warnt sein Kollege aus Frankfurt/Oder deutsche Marktbesucher vor Taschendieben, die zur Weihnachtszeit besonders aktiv seien. “Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir präsent sind”, sagt Müller, der seit fünf Jahren mit polnischen Polizisten Streife läuft. Vor dem Wegfall der Grenzkontrollen am 21. Dezember durch die Erweiterung des Schengen-Raums sollen die Kontrollgänge auch die Bürger beruhigen, die einen Anstieg der Kriminalität befürchten.

“Wir sind auf die Grenzöffnung gut eingestellt”, sagt Hartmut Lietsch, Leiter der deutsch-polnischen Verbindungsstelle am Polizeipräsidium Frankfurt/Oder. Auch Miroslaw Radziwon von der Kreiskommandantur in Slubice ist optimistisch:  “Die Grenze ist zwar formal noch da, aber eigentlich hat sie seit dem polnischen EU-Beitritt ihre Bedeutung verloren.” Mehr Kriminalität werde es nicht geben, wenn die Kontrollen an der Frankfurter Stadtbrücke wegfallen, zeigt er sich überzeugt. “Wir sind gut vorbereitet.”

Eine Straße in Slubice
Eine Straße in Slubice ((c)AFP)
Mit dem Wegfall der Passkontrollen sollen die Sicherheitskräfte entlang der deutsch-polnischen Grenze bis zu 30 Kilometer beiderseits der Grenze unterwegs sein und im Verdachtsfall einschreiten. Seit Monaten bereiten sich Polizisten beider Seiten auf gemeinsame Ermittlungen, Verkehrskontrollen und grenzüberschreitende Einsätze gegen Diebe, Schmuggler und illegale Einwanderer vor. Am 17. Dezember soll im Grenzort Swiecko ein deutsch-polnisches Verbindungszentrum geöffnet werden – nach dem deutsch-französischen Vorbild im badischen Kehl. Rund 100 Beamte von deutscher Bundespolizei, Landespolizei und Zoll sowie der polnischen Sicherheitsbehörden sollen von dort rund um die Uhr Fahndungsinformationen ausgeben.

Die Sprache sei immer noch das größte Problem der Zusammenarbeit, sagt Lietschs Kollege Peter Kupiers, der das Polnische nach sieben Jahren im Nachbarland fließend beherrscht. “Bei komplizierten Rechtsfragen müssen ich und meine Kollegen von der Verbindungsstelle oft dolmetschen.” In Schulungen zu Sprache, Kultur und Justizsystem des Nachbarlandes wurden etwa 100 deutsche und polnische Polizisten auf die gemeinsamen Einsätze vorbereitet. Die Beamten lernten, was sie auf dem Gebiet des Nachbarlandes dürfen und was nicht. Noch nicht ganz geklärt seien die Details der sogenannten polizeilichen Nacheile, die deutschen Beamten die Verfolgung von Verdächtigen auf polnischem Terrain erlaubt, sagt Lietsch. “Wir hoffen aber, dass Polen bald die Freigabe erteilt.”

Trotz aller Bemühungen bleibt die Furcht vor einem Anstieg der Kriminalität. Umfragen zufolge lehnen 59 Prozent der Ostdeutschen die Erweiterung des Schengener Abkommens nach Osten ab. Lokalzeitungen in Brandenburg berichten von florierenden Geschäften mit Alarmanlagen, Bewegungsmeldern und einbruchsicheren Türen. Auch die Polizeigewerkschaft (GdP) warnt angesichts der nach ihren Angaben geplanten Verlagerung von 2000 Stellen an der Grenze vor einem erhöhten Sicherheitsrisiko.

Die Behörden weisen derweil einen Zusammenhang zwischen dem freieren Grenzverkehr und einem Ansteigen der Kriminalität zurück. Die Zahl der Straftaten in Brandenburg ging laut Polizeistatistik 2006 um 2,2 Prozent zurück. Die Polizei in Frankfurt sieht auch deshalb dem nahenden Abbau der Grenzkontrolle gelassen entgegen. “Hier tobt nicht das Verbrechen”, sagt Streifenpolizist Müller. Er freut sich über die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen und reist immer häufiger privat ins Nachbarland: “Die Gastfreundschaft dort ist einfach unglaublich.”

Diesen Beitrag teilen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • email
  • MySpace
  • TwitThis