ISAF-Stabschef: Aufstockung um tausend Bundeswehrsoldaten reicht aus
Deutscher General hält Lage zu '90 Prozent' für stabil
 
von  Julia Naumann

Der deutsche ISAF-Stabschef Hans-Lothar Domröse hält die geplante Aufstockung um tausend Bundeswehrsoldaten in Afghanistan für ausreichend. “Die Sicherheitslage ist zu 90 Prozent innerhalb des Landes stabil”, sagte Domröse der Nachrichtenagentur AFP in Kabul. Die “Masse der Anschläge” werde im Osten und im Süden des Landes verübt, dabei seien nur rund 40 von 400 Distrikten betroffen. Nach Ansicht des Generalmajors macht die von der Bundesregierung geplante Aufstockung des deutschen ISAF-Kontingents auf 4500 Soldaten das deutsche Mandat flexibler. So könne Deutschland, wenn der politische Wille bestehe, im nächsten Jahr rund 500 Soldaten für die Präsidentschaftswahl abstellen.

Sicherheit bedeute für die Afghanen aber viel mehr als nur Soldaten, sagte Domröse, der seit Anfang 2008 der dritte Mann in der Führungsspitze der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) ist. Dazu gehörten wirtschaftlicher Aufschwung, Arbeitsplätze und ein funktionierendes Staatswesen. “Da ist noch eine ganze Menge zu tun”, sagte Domröse. Die Soldaten könnten für die Sicherheit sorgen, alles andere müssten zivile Organisationen gewährleisten.

Zu der von Deutschland gestellten Schnellen Eingreiftruppe (Quick Reaction Force – QRF) sagte der ISAF-Stabschef, diese Reservertruppe sei nicht “zweite Wahl, sondern erste Sahne”. Die rund 200 Soldaten sollen am 1. Juli im Norden Afghanistans die Verantwortung von den Norwegern übernehmen. Die Aufgabe der in Masar-i-Scharif stationierten QRF-Soldaten sei es, in “einer bereits bestehenden Krise mit oder ohne Waffeneinsatz als eine Art Feuerwehr” zu agieren.

Dabei könne es etwa um Anschläge auf militärische und zivile Stützpunkte gehen. Patrouillen der QRF-Soldaten sollten dann wieder mehr Sicherheit herstellen. “Das kann bedeuten, dass sie auf Minen fahren oder direkt beschossen werden”, warnte Domröse. “Auf diese Truppe verlassen sich alle anderen Nationen.” Grundsätzlich sei die Sicherheitslage im Norden unverändert: “Sie ist angespannt, kann jedoch im Vergleich mit anderen Regionen durchaus als ruhig bezeichnet werden.”

Domröse begrüßte es, dass bei der geplanten Einsatzverlängerung im Oktober durch den Bundestag auch das Mandat für die derzeit rund 40 deutschen Fernmeldesoldaten in Kandahar im Süden des Landes präzisiert werden soll. “Das ist eine gute Sache und sinnvoll, weil der Einsatz dieser Soldaten damit permanent festgeschrieben wird”, sagte der Generalmajor.

Bis jetzt gilt das Bundestagsmandat nur für die Hauptstadt Kabul und den Norden Afghanistans. Nur in Ausnahmefällen dürfen deutsche Soldaten zeitlich begrenzt in anderen Landesteilen eingesetzt werden. Die Fernmelde-Soldaten helfen dabei, die Kommunikationsverbindungen innerhalb und außerhalb Afghanistans zu gewährleisten.


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