Die grüne Lunge von Kabul
Ausflugsziel Baburs Garten mit deutscher Hilfe wiederaufgebaut
 
von  Julia Naumann

Es ist schattig, und es ist friedlich. Männer sitzen unter einem Granatapfelbaum und spielen Karten, Kinder toben auf dem kleinen Spielplatz. Junge Frauen in bunten Kleidern laufen auf den geharkten Wegen und plaudern. Baburs Garten ist eines der beliebtesten Ausflugsziele für die Einwohner von Kabul. Die größte Parkanlage der afghanischen Hauptstadt wurde während der sowjetischen Invasion und der Taliban-Zeit zerstört und ist jetzt wieder das, was sie auch früher war – ein Rückzugsort für gestresste Großstädter und Verliebte. Der Wiederaufbau, an dem auch Deutschland beteiligt war, war aufwendig und stieß deshalb bei vielen Kabulern auf Unverständnis.

Babur's Garden ((c)AFP)
Der weitläufige Garten Bagh e Bagur ist im persischen Stil angelegt, seine Geschichte reicht über Jahrhunderte zurück. Das elf Hektar große Gelände im Südwesten der Stadt wird 1528 von Kaiser Babur, dem Begründer der Moguldynastie, angelegt. Sein Grab mit einer prächtigen Marmoreinfassung steht hinter einer kleinen Moschee, die heute immer noch Einschusslöcher des jahrelangen Bürgerkriegs aufweist, als die sowjetischen Truppen sich 1989 aus Kabul zurückgezogen.

Im Laufe von 500 Jahren wird der Garten immer wieder erweitert, Bewässerungskanäle und eine Karawanserai werden angelegt, Terrassen im barockartigen Stil gebaut. Unter König Mohammed Nadir Schah (1883-1933) werden sogar ein Schwimmbad und Restaurants eröffnet. Der Park ist jetzt erstmals öffentlich zugänglich und entwickelt sich zum Ausflugsmagneten.

Babur's Garden ((c)AFP)
In der Zeit nach dem Rückzug der Sowjets 1989 verwahrlost der Garten – hunderte Bäume werden für Brennholz gefällt, der prächtige Sommerpalast zerfällt, Baburs Grab wird geschändet. “Es war für eine lange Zeit ziemlich trostlos hier”, sagt der Chef der Aga-Khan-Kulturstiftung in Afghanistan, Jolyon Leslie, dessen Organisation 2002 den Wiederaufbau durchführte. Auch zahlreiche Minen mussten in den Anlagen entschärft werden.

Die Wiederbelebung des Parks wird anfänglich von der Bevölkerung nur zögerlich angenommen – sie hatten schlicht andere Probleme als Freizeitvergnügen. “Uns schlug eine Menge Ungläubigkeit und auch Zynismus entgegen”, sagt der Südafrikaner Leslie, der seit 20 Jahren in Afghanistan lebt. Um Unterstützung zu gewinnen, mussten die Mitarbeiter der Stiftung von Aga Khan, dem Oberhaupt der rund 15 Millionen Mitglieder zählenden islamisch-schiitischen Ismailiten, immer wieder erklären, dass durch Wiederaufbau auch viele Jobs entstünden.

Babur's Garden ((c)AFP)
Rund fünf Millionen Dollar (3,67 Millionen Euro) kostete der Wiederaufbau des Parks am Ende. Allein eine Million Dollar wurde für den Lohn von hunderten Arbeitern verwendet. Deutschland steuerte 1,2 Millionen Euro bei. Hunderte Aprikosen-, Haselnuss- und Kirschbäume werden gepflanzt, das Kanalsystem repariert, Wege neu angelegt. Im sorgfältig renovierten Palast und der Karawanserei sollen Hochzeiten und Konferenzen stattfinden. Ein Kino soll auf dem Gelände eröffnen und Restaurants wie in den 30er Jahren Besucher anziehen. Sogar das Schwimmbad wird wieder aufgebaut. Das Gelände ist, wie für Afghanistan üblich, von einer hohen Mauer umgeben und ist mit seinen vielen Grünflächen eine grüne Lunge für die staubige, smogverpestete Stadt.

50.000 bis 60.000 Menschen kamen in diesem Sommer monatlich – obwohl der Park ein paar Afghani Eintritt kostet. Der 20-jährige Mohammed Kassim liest hier am liebsten seine Studienbücher. Er hat aber natürlich noch ganz andere Absichten: “Wir sehen hier viele Mädchen, die in Gruppen kommen. Doch wir können sie leider nur anschauen, wie können nicht mit ihnen reden.” Ein anderer Mann ist mutiger. Er folgt seiner Angebeteten in blauer Burka im züchtigem Abstand durch den Park und ruft ihr leise ein paar Worte zu. Sie geht weiter, doch dann dreht sie sich kurz um und winkt ihm unaufällig zu.


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