Spurensuche am Tatort Jericho
Deutsche helfen beim Aufbau palästinensischer Polizei
 
von  Daniel Karl Jahn

Die Bluttat ereignete sich vor den Augen palästinensischer und deutscher Polizisten am Rande Jerichos im Westjordanland. Eine Mitarbeiterin einer ausländischen Nichtregierungsorganisation wurde brutal getötet. Männer in weißen Schutzanzügen und mit Mundschutz fotografieren und sichern Finger- und Schuhabdrücke am Tatort. Es ist der zweite Überfall dieser Art, und die palästinensischen Polizisten wissen: Bald werden das auch noch andere Kollegen erleben. Denn die nachgestellte Szene mit einer Schaufensterpuppe als Opfer gehört zu einem dreiwöchigen Tatorttraining der palästinensischen Polizei, das von Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) geleitet wird.

Deutscher und Palestinensischer Polizist beim Training ((c)AFP)
Es ist der zweite Weiterbildungskurs für palästinensische Zivilpolizisten im Polizei-Trainingscamp von Jericho. Der dritte beginnt in Kürze, insgesamt werden fünf Klassen geschult. Für einige der zumeist im arabischen Ausland ausgebildeten Beamten ist es die erste Fortbildung seit rund acht Jahren, sagt Polizeiberater Peter Jördening. Der dreifache Familienvater aus Braunschweig kam im April und ist der einzige von einer Regierung entsandte Polizeiberater im Innenministerium von Ramallah. Dort hilft er im Zuge der 2006 eingesetzten Einheit European Union Police Coordinating Office for Palestinian Police Support (EUPOL COPPS) beim Aufbau einer Zivilpolizei.

Dass die rund 6700 Männer und ein Handvoll Frauen starke Palestinian Civil Police (PCP) noch im Aufbau ist, wird schon auf dem Weg über das Gelände klar. Die Rekruten hausen in Zelten, die den Eindruck eines UN-Flüchtlingslagers erwecken und sich bis zu den Hauptgebäuden aneinanderreihen, von denen eines abschätzig und politisch unkorrekt “African building” genannt wird. Die Zelte wurden von Saudi-Arabien gespendet. In Jericho, rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegen, steigen die Temperaturen im Sommer auf über 40 Grad Celsius.

Palestinensische Polizisten beim Exerzieren ((c)AFP)
“Das Trainingscenter hier ist immer noch in einem bedauerlich unzureichenden Zustand”, sagte EUPOL-Chef Colin Smith. Die deutsche Regierung habe drei Millionen Euro zugesagt für eine Unterkunft mit Duschen, Toiletten und einer Küche. Die Berliner Palästinenser-Konferenz im Juni habe viele Geldzusagen gebracht: “Aber das dauert. Das ist frustrierend für die Palästinenser und für meine Polizeioffiziere”, sagt der Brite, der die EUPOL-Mission seit Januar 2007 führt. “Die Palästinenser wollen nach Jahren der Versprechungen und Planungen etwas sehen.”

156 Millionen Euro kamen in Berlin zusammen. Deutschland sagte der Palästinensischen Autonomiebehörde 15 Millionen Euro zu, die jetzt “abfließen”, wie es im Diplomatenjargon in Berlin heißt. Rund zwei Drittel werden in die palästinensische Polizei investiert, das andere Drittel in den Aufbau des Justizwesens. Die Erweiterung der EUPOL-Mission um Fachleute zur Stärkung des palästinensischen Justizwesens war ein weiteres Ergebnis der Konferenz.

Damit die Palästinenser konkrete Fortschritte sehen, treibt Deutschland die Planungen für eine Polizeiwache in Dschenin voran. Eine “Musterwache” für Wachen im ganzen Westjordanland, wie Jördening sagt. Außerdem solle sie den anderen Geberländern als Anreiz dienen, zugesagte Gelder freizugeben. Bislang seien viele palästinensische Polizeiwachen angemietete Räume, in Deschnin etwa in einer Ladenzeile. An Ausrüstung mangele es allerorten. Statt Funkgeräte nutzen viele Beamte Handys. Umso größer ist die Freude über die beiden deutschen Tatortkoffer mit Hilfsmitteln wie Lupen und Graphitpulver zur Spurensicherung, die den Polizisten bei der Abschlusszeremonie des Lehrgangs überreicht werden.

Trotz aller Mängel, die Motivation stimme, loben die deutschen BKA-Ausbilder. Auch die Zusammenarbeit mit der israelischen Armee habe sich “in den vergangenen 15 Monaten verbessert”, sagt Smith mit Blick auf die jüngsten Einsätze in Nablus, Dschenin und zuletzt Hebron. Bei aller Zuversicht: Vom Gazastreifen ist nur selten die Rede.

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