Reifeprüfung für eine Staatsanwältin
Inzest-Prozess ist Christiane Burkheisers erster großer Fall
von Ralf Isermann
Mit federndem Schritt und einem Lächeln geht Staatsanwältin Christiane Burkheiser ins Gericht. Modisch im roten Mantel gekleidet, zeigt sie sich bei der Verhandlung gegen Josef F. so selbstbewusst, als habe sie schon dutzende spektakuläre Fälle vertreten. Zum Prozessauftakt gegen den Inzest-Vater vom Amstetten beeindruckt sie mit einem Anklagevortrag, den österreichische Zeitungen am Tag danach “filmreif” nennen. Erst 33 Jahre alt, ist die Juristin durch den weltweit beachteten Prozess zur öffentlichen Person geworden. Das heißt auch, sie steht beachtlich unter Druck.
Burkheiser brauchte selbst auch einen Moment, bis sich ihre Skepsis durchsetzte. Richtig stutzig sei sie erst geworden, als klarer wurde, dass die im Treppenhaus gefundene 19-jährige Kerstin F. offiziell gar nicht existierte. Eine Woche dauerte es noch, bis die von Josef F. im Keller gefangen gehaltene Tochter Elisabeth und mit ihr noch zwei weitere Kinder aus dem fensterlosen Verlies geholt werden konnten. Sie sei fassungslos durch diese Wendung des Falls gewesen, sagt Burkheiser.
Doch in den vergangenen elf Monaten musste sie sich ausschließlich auf Josef F. konzentrieren. Ihr neben dem Gefängnis von F. im Justizgebäude liegendes Büro war zuletzt ihr Hauptaufenthaltsort. Burkheiser musste an der Anklageschrift arbeiten und stand vor dem Problem, dass die offensichtlichen Straftaten von F. wie Vergewaltigung und Nötigung nicht für eine lebenslange Verurteilung ausreichen. Da zwei Tage nach einer Zwillingsgeburt einer der Jungen ohne ärztliche Versorgung starb, klagte sie F. auch wegen Mord durch Unterlassen an. Weil er seine Tochter in totale Abhängigkeit versetzte, außerdem wegen Sklaverei.
Für Mord könnte F. zu lebenslang verurteilt werden, wegen Sklaverei zu 20 Jahren Haft. Burkheiser will außerdem beantragen, dass der Angeklagte in die Psychiatrie kommt. Dass F. nie mehr in die Freiheit kommt, verlangt die Öffentlichkeit in Österreich von der Anklägerin. Beim Prozessbeginn setzte sie auf einen mit viel Dramaturgie gespickten Vortrag, um die Geschworenen von einer möglichst harten Verurteilung von F. zu überzeugen.
“Mit jedem Satz trifft die Anklägerin ins Herz der Geschworenen”, schrieb die Zeitung “Österreich” über den Vortrag der Staatsanwältin. Das große öffentliche Interesse ist Burkheiser dabei aber zuletzt zunehmend unangenehm geworden. Interviews hat sie schon lange nicht mehr gegeben, auch am Dienstag ging sie wortlos ins Gericht.













