Deutschland für Aufnahme von DDR-Bürgern um Gegenhilfe gebeten
Budapester Pfarrer versorgte Flüchtlinge vor 20 Jahren
 
von  Jan Dörner

20 Jahre nach der Aufnahme und Versorgung zehntausender DDR-Flüchtlinge hat der ungarische Pfarrer Imre Kozma nun Deutschland um Hilfe gebeten. Im Sommer 1989 hätten die Ungarn und die ungarischen Malteser ohne Zögern geholfen, sagte Kozma in Budapest der Nachrichtenagentur AFP. “Jetzt sind wir in großen Schwierigkeiten.”

Der heutige Präsident des Ungarischen Malteser Caritasdienstes war ab dem 14. August 1989 maßgeblich für die Unterbringung der DDR-Flüchtlinge verantwortlich, die sich in Budapest in der Hoffnung versammelt hatten, über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik zu gelangen. Bis November fanden in vier Lagern der ungarischen Hauptstadt mehr als 48.000 Menschen Zuflucht.

Kozma rief die Bundesregierung und die Kirchen in Deutschland auf, seine Organisation finanziell zu unterstützen. Obwohl infolge der Wirtschaftskrise die Zahl der Bedürftigen und somit die Anforderungen an die Malteser in Ungarn gestiegen seien, erhalte die Organisation für ihre Tätigkeit immer weniger Geld vom ungarischen Staat.

“Das ist ein Problem, weil sich so viele Menschen auf uns stützen, denen sonst niemand hilft”, fügte der 69-Jährige hinzu. Als konkretes Beispiel für mögliche Hilfe aus Deutschland nannte Kozma die Renovierung und Unterstützung eines Altenheimes in Budapest, das vor rund 300 Jahren von einem deutschen Orden zur Armenpflege gegründet wurde.

Ungarn wurde schwer von der weltweiten Finanzkrise getroffen und konnte sich nur mit einem Milliardenkredit von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank über Wasser halten. Im Gegenzug ist die Regierung des osteuropäischen Landes zu einem harten Sparkurs verpflichtet, von dem laut Kozma auch die Malteser betroffen sind. Der Malteser Caritasdienst als größte zivile Organisation des Landes habe vom Staat gegen Bezahlung zahlreiche Leistungen im Sozial- und Gesundheitswesen übernommen.

Das von der Regierung gezahlte Geld reiche jedoch inzwischen für die vereinbarten Leistungen nicht mehr aus, sagte Kozma. “Wir sind jetzt soweit, dass wir einige Tätigkeiten aus finanziellen Gründen stoppen müssen.” Von den Einschnitten besonders betroffen seien etwa Obdachlose, kinderreiche Familien und die Minderheit der Roma.


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