Helfer stecken auf dem Weg nach Haiti fest
Flughafen in Port-au-Prince erweist sich als Nadelöhr
 
von  Yvonne Brandenberg

Deutschland, USA, China und Island – aus allen Teilen der Welt reisen Helfer an, um den Erdbebenopfern in Haiti beizustehen. Es sind so viele, dass die Wege ins Katastrophengebiet inzwischen regelrecht verstopft sind. Als Nadelöhr erweist sich der kleine Flughafen von Port-au-Prince mit nur einer einzigen Piste, der durch das Beben zudem beschädigt wurde.

Viele Hilfsorganisationen hatten Schwierigkeiten, Haiti nach der Bebenkatastrophe schnell zu erreichen, um den Opfern Hilfe zu leisten.
Viele Hilfsorganisationen hatten Schwierigkeiten, Haiti nach der Bebenkatastrophe schnell zu erreichen, um den Opfern Hilfe zu leisten. ((c)AFP)
“Die Zahl der Flugzeuge auf dem Boden beschränkt unsere Kapazität”, sagt Oberstleutnant Brett Nelson von der US-Luftwaffe, die inzwischen die Verwaltung des Airports übernommen hat. Es gebe nur zwei Tankwagen und zwei Schlepper, um die Flugzeuge mit Treibstoff zu versorgen und in Park- oder Startposition zu ziehen.

Valérie Scherrer, Notfallkoordinatorin der Christoffel-Blindenmission, wollte eigentlich schon am Donnerstag in Port-au-Prince ankommen, um ihre Partner vor Ort bei der Nothilfe für blinde, gehörlose und andere behinderte Menschen zu unterstützen. Doch der Flughafen der haitianischen Hauptstadt wurde kurzfristig für alle nicht-militärischen Flugzeuge geschlossen, Scherrers Anschlussflug von der niederländischen Antilleninsel Curaçao fiel aus.

Mit der Schweizerin stecken weitere Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Einsatzkräfte fast 800 Kilometer von ihrem Ziel entfernt fest, unter ihnen ein Niederländer und ein Brite von der Caritas sowie ein Team der französischen Feuerwehr. Scherrer möchte zwar so schnell wie möglich nach Haiti gelangen. Den Rettungshelfern und Suchteams lässt sie aber gerne den Vortritt. Schließlich dränge die Zeit bei der Bergung von Opfern aus den Erdbebentrümmern. “Die Leute, die in Haiti jetzt direkt Leben retten können, haben Priorität”, sagt Scherrer, die schon bei Katastrophen in Pakistan und Birma half.

Weniger geduldig ist Jonas Ohlsen. Der 32-jährige Däne von der Organisation Ärzte ohne Grenzen will so schnell wie möglich vor Ort eintreffen. Mehr als 48 Stunden sind seit dem Beben schon vergangen, drängt er. Der Anästhesist, der schon Einsätze in Äthiopien und im Kongo mitgemacht hat, will mithelfen zu verhindern, dass noch mehr Menschen an den Folgen ihrer Verletzungen sterben. “Wenn ich erst mal in Port-au-Prince gelandet bin, werde ich arbeiten, arbeiten, arbeiten”, sagt Ohlsen.

“Es gibt viele Helfer, es darf nicht zu viele geben”, warnt am Freitag Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner, der einst die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen mitgegründet hat. Sonst drohe nicht nur am Flughafen eine “Verstopfung” – und die Organisation der Hilfe werde erschwert.

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