Lovely Lena
Star-Appeal von Lena Meyer-Landrut verzückt Europa
 
von  Ralf Isermann

In der Stunde nach ihrem Sieg sagt Lena Meyer-Landrut noch einmal den Satz, mit dem vor ein paar Monaten alles angefangen hat: “Ich bin Lena, ich bin 19 und ich komme aus Hannover.” Mit dem Unterschied, dass sie damals noch 18 war, stellte sie sich so schlicht im Februar in der Casting-Show “Unser Star für Oslo” den Zuschauern vor. Nun hat sich außer dem Alter in wenigen Wochen Vieles für sie geändert: Aus der unbekannten Schülerin wurde zunächst ein deutscher Shooting-Star, dem mit dem Gewinn des Eurovision Song Contest in Oslo nun auch der Sprung auf die europäische Bühne gelang.

Lovely Lena ((c)AFP)
“Lovely Lena”, so verzückt sprachen die deutsche Sängerin gleich mehrere Juroren des ESC aus verschiedenen Ländern bei der Punktevergabe an. Wie sollte es auch anders sein: Nachdem zunächst Deutschland ihrem Charme erlegen war, zeigte Lena Meyer-Landrut bei ihrem Auftritt mit “Satellite” all die Eigenschaften, die sie in ihrer Heimat beliebt gemacht haben. Ihr Lächeln war ansteckend, ihr Blick lag irgendwo zwischen keck und lieb und mit ihrem Gesang war sie ganz bei sich. “Ich denke nicht, wenn ich singe. In meinem Hirn gibt’s dann keinen Platz mehr”, hatte sie selbst kurz vor ihrem Final-Auftritt gesagt.

Dass diese Mischung anzieht, hatte der deutsche Sänger Marius Müller-Westernhagen Lena gleich bei ihrem ersten Auftritt für “Unser Star für Oslo” bescheinigt. “Du hast Star-Appeal. Menschen werden dich lieben”, sagte Müller-Westernhagen voraus. Aus ihrem Bewerbungsbogen für die Castingshow war das nicht zu ersehen. Eine ganz normale Schülerin hatte sich vergangenes Jahr bei der ARD und ProSieben gemeldet: Am 23. Mai 1991 in Hannover geboren und seitdem in der niedersächsischen Landeshauptstadt lebend. Dass sie sich bei dem Wettbewerb beworben hatte, erzählte Lena nicht einmal ihren Freunden. Sie habe nicht gewollt, dass die sich über sie lustig machen, wenn sie gemeinsam das ESC-Finale schauten und jemand anderes für Deutschland antrete.

Neben Casting, Grandprix-Vorbereitung und den Studioaufnahmen machte Lena ihr Abitur
Lena macht Show, sie begeistert mit ihren Auftritten Fans in ganz Europa. Doch über ihr Leben abseits der Bühne verrät sie nichts ((c)AFP)
Als die Einladung zum Casting kam, habe sie ihre Bewerbung bereits wieder vergessen gehabt, sagte Lena später. Ob das nun stimmt oder nicht: Zu dem Zeitpunkt dürfte sie den Kopf vor allem mit der Schule voll gehabt haben. Denn parallel zu dem Wettbewerb liefen ihre Abitur-Prüfungen. Nach dem Erfolg beim Casting nahm sie ihre erste CD zwischen den Examina auf.

Solche Details sind bekannt, aber ansonsten schweigt sich Lena wie ihr Entdecker Stefan Raab über ihr Privatleben aus. Nur, dass ihre Mutter sie alleine aufgezogen hat, berichtete sie, von ihrem Vater spricht sie nicht. Dieser verließ die Familie, als Lena noch ganz klein war, kürzlich meldete er sich in einer Boulevard-Zeitung zu Wort. Lenas Großvater väterlicherseits ist der frühere Diplomat Andreas Meyer-Landrut, der unter Richard von Weizsäcker das Bundespräsidialamt leitete. Ob sie einen Freund hat? Lena schweigt.

Ihren englischen Akzent, der in Deutschland bewundert, in englischsprachigen Ländern aber als typisch deutsch verspottet wurde, verdankt Lena ihrem Lehrer – in England war sie jedenfalls noch nicht. Dafür aber im August 2008 in Frankreich, in dem bei Jugendlichen beliebten Wallfahrtsort Taizé. Damals war zufällig auch ein Reporter-Team des Magazins “Geo” vor Ort – der Fotograf wählte aus den tausenden meditativ betenden Jugendlichen instinktiv Lena als Motiv für seine Geschichte über Taizé aus. “Sie ist mir wegen ihres bezaubernden Wesens sofort aufgefallen”, sagte Fotograf Franz Killmeyer nach dem Aufkommen des Lena-Hypes in Deutschland dem “Stern”.

Doch die Nagelprobe kommt noch: Derzeit ist Lena ganz oben. Aber wird sie dem Schicksal vieler früherer ESC-Gewinner entgehen, die inzwischen längst in Vergessenheit geraten sind? Am Sonntag spielte das noch keine Rolle – da hob Lena mit einem Sonderflug von Oslo nach Hannover ab, wo ihr Tausende einen Jubelempfang bereiten wollten.

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