Geräusche im Nebel
 
von  Fabian Schlüter

„Wenn der Mumm hat, landet er jetzt“, sagt ein Bundeswehrsoldat. In seiner Stimme klingt aber wenig Hoffnung mit. Über dem Flugfeld des Feldlagers ist die kreisende Transall zu hören, sehen lässt sie wegen der dichten Wolkendecke aber nicht. Die Transportmaschine der Bundeswehr soll deutsche Soldaten nach Masar-i-Scharif bringen, von wo aus die Heimreise nach Deutschland ansteht. Es ist kurz vor Weihnachten, die Männer wollen zu ihren Familien zurück.

Wenn da halt nicht das Wetter wäre. Kundus verfügt über kein elektronisches Flugleitsystem, die Transall-Piloten müssen daher auf Sicht landen. Fünf Kilometer freie Sicht sei Minimum, erklärt ein seufzender Soldat die Regeln. Und so kreist die Transall über dem winterlichen Kundus, während der Pilot nach einem Loch in der Wolkendecke sucht, um landen zu können.

Die Motorengeräusche verschwinden. „Oh, come on, man“, stöhnt ein US-Soldat, der ebenfalls auf die Transall gebucht ist. „Gönn’ mir doch meinen Heimaturlaub.“ Zwei Zigaretten später ist die Maschine wieder zu hören, die Blicke richten sich erneut hoffnungsvoll in den grauen Himmel – und senken sich wenige Sekunden später desillusioniert wieder auf die Landebahn, auf der an diesem Tag keine Transall landen wird.

Es sind mehrere Blackhawk-Hubschrauber der Air Cavalry der US-Air-Force, die, vollgepackt mit Bundeswehrsoldaten und ihren Reisetaschen, dann zwei Tage später von Kundus aus über den staubig-trockenen Norden Afghanistans hinweg und durch Wolken und Nebel nach Masar-i-Scharif fliegen. Ohne die Amerikaner, so drängt sich der Eindruck auf, kommen die Bundeswehrsoldaten nicht zu Weihnachten nach Hause.

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