Liebesgrüße aus Tampa
Romneys Ehefrau kämpft auf dem Parteitag gegen Sympathie-Defizit: "Heute Abend möchte ich mit Euch über Liebe reden"
 
von  Gregor Waschinski

Tampa, 29. August (AFP) – Mitt Romney kommt auf die Bühne, zum ersten Mal während des Parteitags der US-Republikaner, doch der von den Delegierten frisch gekürte Präsidentschaftskandidat ist nicht der Star. Die Menge im Tampa Bay Times Forum jubelt Romneys Frau Ann zu. Die Hausfrau und Mutter hat in einer 20-minütigen Rede am Dienstagabend gerade erklärt, dass ihr Gatte kein Politikroboter, sondern ein liebenswürdiger und durchaus humorvoller Familienmensch sei. Ann Romney hat ihre Sympathie-Mission erfüllt – auch wenn sie sich zeitweise anhört, als zitiere sie aus einer Seifenoper.

((c)AFP)
Mitt und Ann Romney ((c)AFP)
“Heute geht es nicht um Politik und nicht um Parteien”, sagt die 63-Jährige zu Beginn ihres Auftritts. Sie trägt ein rotes Kleid, die blonden Haare sind gestylt. “Heute Abend möchte ich mit Euch über Liebe reden.” Dann beginnt Romney zu plaudern, wie es damals gewesen sei, als sie sich in jenen Mann verliebt habe, mit dem sie nach 43 Jahren immer noch verheiratet ist. “Sein Name ist Mitt, und ihr solltet ihn wirklich kennenlernen”, sagt sie – so als ob sie mit Freundinnen tuschele und sich nicht an ein Millionenpublikum vor den Fernsehschirmen wende.

Die Geschichte von Ann und Mitt könnte tatsächlich ein Poesie-Album zieren. Sie kennen sich seit der Grundschule, später gingen sie im wohlhabenden Detroiter Vorort Bloomfield Hills auf getrennte Schulen für Jungen und Mädchen. Zu dieser Zeit verliebte sich der zwei Jahre ältere Mitt dann in Ann Davies. Hartnäckig warb der Teenager um seine künftige Frau.

Als Mitt sein Studium in Kalifornien begann, musste Ann noch die High School in Michigan beenden. So oft es ging, flog er in die Heimat zurück. Während Mitt dann zweieinhalb Jahre als mormonischer Missionar in Frankreich lebte, hielten sie über Briefe Kontakt. Nach Mitts Rückkehr in die USA heiratete das Paar, kurz vor ihrem 20. Geburtstag im Frühjahr 1969.

Heute haben Ann und Mitt fünf Kinder und 18 Enkelkinder. Das demonstrativ harmonische Familienleben bei den Romneys sieht dessen Wahlkampfteam als Mittel gegen die schlechten Popularitätswerte des Präsidentschaftsbewerbers. Die Menschen in den USA mögen vielleicht unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik von Barack Obama sein, bei der Beliebtheit lässt der Amtsinhaber den Herausforderer in Umfragen aber klar hinter sich. “Romney hat echte Schwierigkeiten, als freundliche und sympathische Person herüberzukommen”, sagt Politikprofessor Charles Franklin von der University of Madison-Wisconsin.

Der frühere Fondsmanager wirkt bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit oft hölzern, nicht nur seine Frisur scheint stets aalglatt und perfekt. Dem Multimillionär hängt der Ruf an, er sei abgehoben von den Sorgen der Mittelschicht. Im Wahlkampf unterlaufen ihm immer wieder Bemerkungen, bei denen er seinen Reichtum offenbar nicht richtig einordnen kann. So sprach er einst von den “paar Cadillacs”, die Ann in der Garage stehen habe. Romney ist nicht der Typ, mit dem sich Wähler gerne ein Baseball-Spiel anschauen würden. Romney ist der Typ, dem der Sportverein gehört.

In jungen Jahren habe das Paar in einem einfachen Keller-Apartment gewohnt, berichtet Ann Romney nun. Immer wieder habe es persönliche Schwierigkeiten gegeben. “Wir haben keine Bilderbuch-Ehe”, sagt sie. “Was Mitt Romney und ich haben, ist eine echte Ehe.” Dabei erwähnte sie auch ihre Erkrankungen an Multipler Sklerose und Brustkrebs, gegen die sie kämpfen musste.

Mit der Charme-Offensive seiner Ehefrau hofft Romney auch bei Wählerinnen zu punkten, die in Umfragen deutlich Obama zuneigen. Mit wirren Debatten über Abtreibungen bei vergewaltigten Frauen oder den Zugang zu Verhütungsmitteln haben die Republikaner das Image ihres Spitzenkandidaten in dieser Wählergruppe stark beschädigt. In ihrer Rede spricht Ann Romney von Frauen allerdings vor allem in ihrer Eigenschaft als Mütter – denn diese seien es, “die dieses Land wirklich zusammenhalten”.


Tags: , , ,
Diesen Beitrag teilen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • email
  • MySpace
  • TwitThis