Viel Imagepflege in Florida
Der Krönungsparteitag für Mitt Romney mit gemischter Bilanz und einem bizarren Auftritt von Hollywood-Altstar Eastwood
 
von  Gregor Waschinski

Tampa, 31. August (AFP) – Vor allem zwei Bilder prägten das große Finale des Nominierungsparteitags der US-Republikaner: Kandidat Mitt Romney nach seiner Rede am Donnerstagabend, umringt von seiner Schar an Kindern und Enkelkindern, ein Regen aus Konfetti und Luftballons – und Hollywood-Altstar Clint Eastwood, der sich mit einem leeren Stuhl unterhält, auf dem er Präsident Barack Obama wähnt. Die Bilanz des wegen des Hurrikans “Isaac” auf drei Tage verkürzten Parteitags in Tampa im Bundesstaat Florida ist gemischt – und das lag nicht nur an jener bizarren Einlage, die der 82-jährige Eastwood hinlegte.

Mitt Romney ((c)AFP)
Kurz vor Romneys Nominierungsrede trat der Schauspieler in einen imaginären Dialog mit Obama, konfrontierte diesen mit seinen politischen Verfehlungen und fuhr den unsichtbaren Präsidenten sogar an: “Halt den Mund!” Auch wenn die Delegierten in der Arena johlten, war die Häme später groß. Nach Einschätzung vieler Kommentatoren in den US-Medien ging der Solo-Auftritt ohne Teleprompter jedenfalls gründlich daneben.

Romneys Rede stieß außerhalb des Tampa Bay Times Forum ebenfalls auf ein verhaltenes Echo, weil der frühere Gouverneur und Finanzinvestor erneut viel zu vage über seine politischen Pläne sprach. Die “New York Times” urteilte, der 65-Jährige bewerbe sich um das Amt des “Platitüden-Präsidenten”. Die “Washington Post” bemängelte, der Kandidat habe zwar stark gegen Obama ausgeteilt, ohne jedoch die eigenen Ziele zu konkretisieren. Und der Nachrichtensender CNN fragte: “Ist dies das Beste, was Romney draufhat?”

Clint Eastwood ((c)AFP)
Im Kern der knapp 40-minütigen Rede stand das Versprechen, in der ersten Amtszeit zwölf Millionen neue Jobs zu schaffen. Dazu legte Romney einen Fünf-Punkte-Plan vor. Bis 2020 sollen die USA unabhängig von Energieimporten werden und die eigenen Öl- und Gasreserven voll ausnutzen. Das Bildungssystem soll gestärkt und der Staatshaushalt ausgeglichen werden. Steuern für Unternehmen sollen gesenkt und Regulierungen abgebaut werden. Schließlich will Romney die internationalen Handelsverflechtungen der USA ausbauen – und zugleich Länder, die sich nicht an die Regeln halten, bestrafen.

Auf die harten Kürzungen bei den Staatsausgaben, auf die sein Vizekandidat Paul Ryan die Wähler am Vortag noch vorbereitet hatte, ging Romney ebenso wenig ein wie auf die Haltung der Republikaner bei Reizthemen wie Abtreibung oder Homo-Ehe. Dafür gab es patriotische Rhetorik: “Jetzt ist es an der Zeit, die amerikanische Verheißung wiederherzustellen”, sagte der Kandidat.

Erfolgreicher könnte Romney dagegen bei der Aufbesserung seines Images gewesen sein. Bislang litt der Kandidat unter schlechten Beliebtheitswerten – nicht zuletzt wegen einer Negativkampagne von Obamas Wahlkampfteam, das Romneys Steuermoral in Frage stellte und sich seine Vergangenheit als Finanzinvestor bei Bain Capital vorknöpfte. Eine Erhebung des TV-Senders ABC ergab kurz vor dem Parteitag, dass 51 Prozent der Befragten Romney in einem schlechten Licht sehen. Obamas Popularität ist trotz der wirtschaftlichen Probleme deutlich höher.

Der Parteitag war daher eine große PR-Aktion für Romney. Seine Frau Ann versuchte mit einer Rede am Dienstag, ihrem in der Öffentlichkeit oft als hölzern und abgehoben wahrgenommenen Gatten als liebenswerten Familienmenschen darzustellen. Dies war auch das Thema der Abschlussszene Romneys mit seinen Kindern und Enkelkindern auf dem Höhepunkt des Parteitags am Donnerstag.

Zuvor hatten bereits mormonische Glaubensbrüder Zweifel über Romneys Religion zu zerstreuen versucht und das soziale Engagement des Kandidaten in der Kirche gepriesen. Geschäftspartner aus der Zeit bei Bain Capital wiesen Berichte über raffgierige Investments als “Erfindungen und Lügen” zurück.

Allerdings hat Romney bei der Schlacht um sein Image nicht das letzte Wort. Am kommenden Dienstag beginnt in Charlotte im Bundesstaat North Carolina der Parteitag der Demokraten. Das Bild vom netten Herrn Romney hat nicht viel Zeit, um sich in den Köpfen der Wähler zu verfestigen.


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