Aus dem Konfettiregen in eine bessere Zukunft
US-Präsident Obama elektrisiert Basis und bittet Wähler um Geduld
 
von  Gregor Waschinski

Charlotte, 7. September (AFP) – Auf den Großbildschirmen hinter Barack Obama flackert ein digitales Feuerwerk auf, von der Decke segelt Konfetti in die abgedunkelte Arena. Eigentlich sollte der Präsident in diesem Moment unter freiem Himmel im Footballstadion von Charlotte seine neuerliche Nominierung feiern, mit echte Raketen. Aus Angst vor Gewittern verlegten die Demokraten das große Parteitags-Finale nach drinnen, doch am Ende ist der Abendhimmel über Charlotte klar. Obama verpasst eine Chance zur Inszenierung, seine Botschaft dringt trotzdem durch: Habt Geduld, ich führe Euch in eine bessere Zukunft.

((c)AFP)
Barack Obama (STAN HONDA / AFP) ((c)AFP)
“Unsere Probleme können gelöst werden”, macht Obama den etwa 15.000 Anhängern in der Arena und den Millionen US-Bürgern vor den Fernsehern in der Nacht zum Freitag Mut. “Der Weg, den wir anbieten, mag vielleicht steiniger sein, aber führt zu einem besseren Ort.”

Dieser Weg begann für Obama 2008, als der junge Senator aus Illinois in der schwersten Wirtschaftskrise seit mehr als 70 Jahren als erster Afroamerikaner in das Weiße Haus gewählt wurde. Sein Schlachtruf “Hope and Change” hat seitdem Kratzer bekommen. Die Arbeitslosenquote liegt noch immer bei über acht Prozent, das Wachstum betrug zuletzt magere 1,7 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der versprochene Wandel ist noch nicht so richtig spürbar, die Hoffnungen vieler Wähler sind enttäuscht.

“Ich habe nie gesagt, dass diese Reise einfach sein würde, und ich werde es jetzt auch nicht versprechen”, sagt Obama und bemüht ein historisches Vorbild: Franklin D. Roosevelt. Mit seiner “verwegenen und beharrlichen” Reformpolitik habe dieser die USA aus der Großen Depression der 1930er Jahre manövriert. Roosevelt ist der einzige Präsident der US-Geschichte, der drei Mal gewählt wurde. So viel Zeit bleibt Obama nicht, mittlerweile gilt für den US-Staatschef eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten.

Damit er immerhin diese Maximallaufzeit für seine Präsidentschaft erreicht, versucht Obama in seiner Parteitagsrede mit einer scharfen Abgrenzung zu den Republikanern und ihrem Kandidaten Mitt Romney die Wähler zu mobilisieren: Am 6. November stünden “zwei grundsätzlich verschiedene Visionen” zur Wahl.

Dann arbeitet sich Obama systematisch durch die verschiedenen Politikfelder: Romney wolle den Reichen Billionen-Dollar-Steuergeschenke machen – er steht für eine sozial ausgewogene Haushaltssanierung. Die Republikaner würden den Klimawandel leugnen – er selbst kämpft gegen die Erderwärmung. Romney stolpere über das internationale Parkett – er verfügt über Führungsstärke und hat den Staatsfeind Nummer eins Osama bin Laden zur Strecke gebracht.

Die Messlatte liegt hoch für Obama. Am Vorabend brannte Ex-Präsident Bill Clinton ein fast 50-minütiges rhetorisches Feuerwerk ab, zerlegte mit Witz und Statistiken die Politik der Republikaner. Der Altstar der Demokraten ignorierte den Teleprompter und sprach weitgehend frei, als er “von ganzem Herzen” für eine zweite Amtszeit Obamas warb. Der Präsident hält sind in seiner Rede dagegen an sein Manuskript, statt Clintons Südstaaten-Jovialität versprüht er eher cooles Charisma. Obama hält keine brillante Rede, aber er liefert.

Begeistert hatten die Delegierten auch den Auftritt von First Lady Michelle Obama aufgenommen, die am Dienstagabend den Präsidenten als charakterfesten Familienvater pries, der sich im Weißen Haus treu geblieben sei. Kurz vor Obamas Auftritt kommt Michelle noch einmal auf die Bühne, kündigt ihren Mann an, gibt ihm einen Kuss. Nach der Rede stehen die Obamas mit den Töchter Malia und Sasha im Konfettiregen und winken in die Kameras.

“Four more years”, ruft die Menge in der Arena, “vier weitere Jahre”. Die Anhänger strecken ihre hellblauen Schilder in die Höhe, auf ihnen steht das Wahlkampfmotto “Forward” (“Vorwärts”). Obama hat seine Basis erreicht. “Er hat eine klare Botschaft”, sagt Christian Hylton aus New York. Seine Wiederwahl sei “für jeden guten Demokraten in den nächsten zwei Monaten die Top-Priorität”.


Tags: , , ,
Diesen Beitrag teilen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • email
  • MySpace
  • TwitThis