Clinton stellt seinen Glanz in den Dienst von Obamas Wiederwahl
Ex-Präsident und Nachfolger begeistern Demokraten-Parteitag
 
von  Gregor Waschinski

Charlotte, 6. September (AFP) – Ein leidenschaftliches Plädoyer, eine Verbeugung, eine Umarmung: Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat seinem Nachfolger Barack Obama auf dem Parteitag der Demokraten die größtmögliche Unterstützung im Kampf um eine zweite Amtszeit gewährt. Der hochpopuläre Politikveteran versicherte den Parteitagsdelegierten und Millionen Menschen vor den Fernsehern, er glaube “von ganzem Herzen”, dass Präsident Obama die USA erfolgreich aus der Krise führen werde. Es war ein umjubeltes Treffen zweier charismatischer Männer, die sich einst in Feindschaft gegenüberstanden.

((c)AFP)
Barack Obama und Bill Clinton (CHIP SOMODEVILLA / GETTY/AFP) ((c)AFP)
“Ich möchte einen Mann nominieren, der nach außen cool wirkt, aber im Inneren für Amerika brennt”, sagte Clinton, als er Obama in der Nacht zum Donnerstag für die Kandidatur vorschlug. “Einen Mann, der das Abrutschen in die Depression gestoppt und uns auf den langen Weg der Erholung geführt hat.” Die Delegierten schlossen sich der Nominierung später offiziell an, am Donnerstag soll Obama sie dann zum Abschluss des dreitägigen Parteitags in Charlotte annehmen. Der Präsident, der wegen der hohen Arbeitslosigkeit um seine Wiederwahl am 6. November fürchten muss, hat den Glanz seines Vorgängers dringend nötig.

Kurz nach seiner Amtszeit verbanden die Menschen in den USA mit Clinton vor allem seine Affäre mit Monica Lewinsky, einer Praktikantin halb so alt wie er. Mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus erinnern sie sich dagegen an eine Zeit des Booms. Als Clinton 1993 ins Weiße Haus einzog, sahen sich die USA nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Sieger der Geschichte. Die Arbeitslosigkeit sank auf unter vier Prozent, das Defizit schrumpfte. Seinem Nachfolger George W. Bush hinterließ Clinton Anfang 2001 sogar einen Haushaltsüberschuss von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Die Ära Clinton steht im Kontrast zur Präsidentschaft des Republikaners Bush: Die Anschläge vom 11. September 2001 rüttelten am Selbstverständnis als unverwundbare Supermacht, die USA zogen in verlustreiche Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. Ausgehend von faulen US-Immobilienkrediten stürzten dann erst das Finanzsystem und dann die Wirtschaft in eine tiefe Krise.

“Niemand hätte all den Schaden, den er vorgefunden hat, in nur vier Jahren reparieren können”, sagte Clinton. Obama habe aber die Grundlagen für “eine neue, moderne, erfolgreiche Wirtschaft des geteilten Wohlstands” gelegt.

Laut einer Umfrage des Gallup-Instituts haben heute 66 Prozent der US-Bürger eine positive Meinung über Clinton – vor zehn Jahren lag seine Popularität unter 50 Prozent. Seit vergangenem Herbst spielt Clinton im Wahlkampf eine zunehmend aktive Rolle. Er machte sich in Interviews zum Sprachrohr für Obamas Politik, gemeinsam sammelten sie Spenden.

Dabei galt die Beziehung zwischen dem 42. und dem 44. Präsidenten der USA als zerrüttet, als Obama im Vorwahlkampf 2008 Clintons Frau Hillary die Nominierung streitig machte. Mit bösen Tiraden gegen Obama handelte sich der frühere Staatschef sogar den Verdacht ein, auf rassistische Vorbehalte unter weißen Wählern zu setzen. Nach Obamas innerparteilichem Sieg schlossen sie einen Burgfrieden, Hillary wurde Außenministerin.

Die Annäherung erreichte ihren bisherigen Höhepunkt, als Obama nach Clintons knapp 50-minütiger Rede auf die Bühne kam. Der Altstar verbeugte sich vor dem Präsidenten, dann umarmten sie sich. Gemeinsam schüttelten sie Hände, winkten in die Menge. “We are fired up”, skandierten die Anhänger in der brodelnden Arena, “Wir sind heiß”.

Allerdings ist die enge Einbindung Clintons nicht ganz ohne Risiko. Der Ex-Präsident hat bisweilen mit der beschleunigten Medienöffentlichkeit im digitalen Zeitalter zu kämpfen, in dem jedes schiefe Wort im Internet einen Sturm auslösen kann. Anfang Juni verschreckte Clinton das Wahlkampfteam Obamas, als er den Obama-Herausforderer Mitt Romney für dessen Business-Karriere lobte – und damit die Strategie untergrub, den Multimillionär als rücksichtslosen Geschäftsmann zu porträtieren.


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