Zwischen Sicherheitslücken und blühenden Gärten
Niebel besucht westafrikanischen Krisenstaat Mali. Entwicklungsminister fordert rasche Rückkehr zur Demokratie.
 
von  Susanne Sawadogo

Mitten in der Savanne von Mali landet eine Transall-Maschine der Bundeswehr. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) betritt das Rollfeld auf dem “Internationalen Flughafen von Mopti”, auf dem jedoch allenfalls die Truppenpräsenz international ist. Französische Soldaten gehen in Shorts und ärmellosen Hemden in der gleißenden Sonne ihrer Arbeit nach. Und mittendrin wird Niebel begeistert von örtlichen Würdenträgern empfangen – die bis wenige Stunden vorher noch gar nichts von dem hohen Besuch aus Deutschland wissen konnten.

((c)AFP)
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Denn eigentlich sollte Niebel am Samstag im Rahmen seiner zweitägigen Mali-Reise nach Timbuktu reisen, doch nach einem Selbstmordanschlag und Gefechten in der Wüstenstadt am Donnerstag wurde die Lage als zu unsicher eingestuft.

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Während Niebels Besuch in Mali aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten wurde und für die Visite 15 Personenschützer des Bundeskriminalamts (BKA) in die Hauptstadt Bamako geschickt wurden, flog der Minister ohne Leibwächter in die kleine Stadt am Niger. Denn das BKA in Berlin befand nach Angaben aus dem Umfeld des Ministers, dass in Mopti die Bedingungen für einen angemessenen Personenschutz nicht gegeben waren.

“Die Malier sind ein friedfertiges Volk”, sagt der Gouverneur der Region Mopti, Ibrahima Hama Traoré, seinem Gast wie zur Beruhigung. Die allerwenigsten Malier wollten einen Gottesstaat. “Die malische Bevölkerung hat den Terroristen ihre Kultur des Friedens entgegengehalten”, sagt der Gouverneur und hebt Frankreichs militärische Intervention gegen den Vormarsch der Islamisten am 11. Januar hervor: “Wir wussten immer, wir haben Freunde”, sagt er.

Als Freund kam auch Niebel nach Mali, allerdings als fordernder: Er brachte humanitäre Hilfe mit sowie die Zusage, die nach dem Militärputsch vom 22. März 2012 eingefrorenen Hilfsgelder in Höhe von 15 Millionen Euro für Mali freizugeben. Damit soll auch der Aufbau der Verwaltung unterstützt werden, so dass die für Juli angekündigten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattfinden können. Diese sind die Voraussetzung für “ein volles Kooperationsangebot” Deutschlands, sagt Niebel.

Malis Übergangspräsident Dioncounda Traoré macht im Gespräch mit Niebel deutlich, dass mancher Schritt nur mit mehr Geld umgesetzt werden könne. Auch Außenminister Tiéman Coulibaly äußert den Wunsch nach “schneller Hilfe”.

Die malische Regierung schätzt die Kosten für die Organisaton der Wahlen auf umgerechnet 90 Millionen Euro. “Die Bundesregierung bemüht sich, im Rahmen der Europäischen Union zu einer Lösung beizutragen”, sagt Niebel und verweist auf die Konferenz in Brüssel am 15. Mai, bei der überprüft werden soll, ob Mali den Forderungen der Geber nachkommt.

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In Mopti trifft Niebel auf Flüchtlinge, die gerne zurückkehren würden, es aber nicht können. Er besucht das landesweit einzige Lager für Binnenflüchtlinge. Rund 500 Menschen aus Gao, Kidal und Timbuktu leben hier. Die 58-jährige Zeinabou Moussa aus Gao leidet unter Bluthochdruck und der Hitze. “Die Container sind zu warm”, sagt sie. “Ich will zurück.” Doch wann dafür grünes Licht gegeben wird, ist unklar: Am Sonntag gibt es in Gao erneut Gefechte zwischen der malischen Armee und Islamisten.

In der Region Bélédougou bei Bamako scheinen solche Probleme weit weg. Dank eines mit deutscher Hilfe finanzierten Staudammprojektes wachsen hier mitten in der Trockenzeit Kohl, Paprika, Kartoffeln und andere Gemüsesorten. Die Bewohner, die ihe Erträge verzehnfachen konnten, danken es Niebel nach einheimischer Tradition – mit einem lebenden Schaf.


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