Leere Traumstrände und Panzerfahrzeuge am Straßenrand
 
von  Clemens Wortmann

Dahab, 12.Juli (AFP) – “Uns tun die Leute echt Leid”, sagt Marcel aus Berlin. “Hier ist alles so friedlich, die sind so freundlich, aber es sind kaum Gäste da.” Und sein Freund Robert aus Freiburg ergänzt: “Gestern sind wir extra zur Hotelmeile runter gelaufen. Die halten da alle Gaststätten offen, volle Beleuchtung, aber da ist noch weniger los als hier.” Die beiden jungen Männer gehören zu den wenigen Touristen, die gegenwärtig im sonst so belebten Dahab anzutreffen sind, einem gerade auch bei Deutschen beliebten Erholungsort an der Ostküste des Sinai.

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Zusammen mit Roberts zehnjährigem Neffen Tamo haben sie es sich in einer der flachen Sitzecken des Strandrestaurants “Meya Meya” im Zentrum der Kleinstadt gemütlich gemacht. Sie seien vor einer Woche am Tag des Sturzes von Mursi angekommen und hätten sich die Entscheidung zu fahren nicht leicht gemacht. “Tamos Mutter rief mich morgens an und erzählte, dass die Armee ein Ultimatum gesetzt hat, das genau abläuft, wenn wir landen.” Sie hätten sich dann überall erkundigt und letztlich nicht storniert, weil die Urlaubsorte am Golf von Akaba als absolut sicher gelten.

“Als wir kurz nach dem Flughafen von Scharm el Scheich und dann wieder hier am Ortseingang Panzerspähwagen der Armee sahen, gab uns das aber ein besseres Sicherheitsgefühl”, räumt Robert ein.

Hendrik Gutacker dagegen war “dann doch etwas geschockt, als ich diese Panzerfahrzeuge sah”. Der 27-Jährige kam vor wenigen Tagen an, um sich mit einem dänischen Freund einen ganzen Monat lang beim Windsurfen vom Studium in Münster zu erholen. “Ich habe mich bei Freunden erkundigt, die das alles hier letztes Jahr schon mitgemacht haben. Und die haben gesagt, sie hätten gar nichts mitbekommen und die Beduinen hier seien alles ausgesprochen friedliche Leute”. Nun schämt er sich ein bisschen, dass er als eine Art Krisengewinnler die Wasserflächen fast für sich alleine hat.

Inlandstouren zum Katharinenkloster oder in die Schluchten mit ihren bunten Felsen hat Hendrik nicht auf dem Plan. Aber nicht wegen eines erhöhten Sicherheitsrisikos, sondern “weil hier schon Windflaute sein müsste, damit ich etwas anderes mache”.

Marcel und seine Freunde haben nach Lektüre der Reisehinweise des Auswärtigen Amts schweren Herzens entschieden, nur an der Küste zu bleiben und ihre acht Reisetage mit Tauchausflügen zu verbringen.
Dabei hatte sich Tamo besonders auf die geplanten Quad-Touren ins felsige Gelände gefreut.

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Golfplatz, (c)AFP
Auch wegen der mehreren hundert Ausländer, die ganzjährig im einstigen Hippie-Ort Dahab leben, ist es hier nicht ganz so ausgestorben wie weiter im Norden, wo früher Israelis das Gros der Urlauber ausmachten. Die von Beduinenstämmen betriebenen rund zwanzig Hüttencamps zwischen Nuweiba und Taba sind völlig verlassen. Auf der leeren Küstenstraße wählen die Fahrer die Straßenseite nach Beschaffenheit des Asphalt statt nach Verkehrsregeln. Gestoppt werden sie an den wenigen Kreuzungen und Gemeindegrenzen von Kontrollposten der Polizei, an denen auch Soldaten mit Maschinengewehren Präsenz zeigen.

Erst nach 150 Kilometern wird es wieder etwas belebter. Das Kasino in Taba hat quasi einen angeschlossenen Grenzübergang nach Israel, wo es keine Glückspielstätten gibt. Und da lockt es dann trotz Entführungsrisikos einige Israelis nach Ägypten. Sajed Mohammed, Hilfskellner im Taba Hilton, hat auf der Hotelfachschule Deutsch als zweite Fremdsprache neben Englisch gewählt und ist nun erpicht jeden Brocken anzuwenden. Viel Gelegenheit hat er dazu nicht mehr, bedauert er. Brillieren können seine Kollegen, die Russisch gewählt haben. Die meisten Deutschen machen lieber anderswo Urlaub.


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