Zuhören als erste Mission
Von der Leyen nimmt sich Zeit für Soldaten in Afghanistan. Neue Ministerin verspricht: "Sie können sich auf mich verlassen"
 
von  Christof Meißner

Masar-i-Scharif, 22. Dezember (AFP) – Am fünften Tag im neuen Amt ist Ursula von der Leyen (CDU) auf Studienreise. Die erste Verteidigungsministerin in der Geschichte der Bundesrepublik kommt ins Bundeswehrcamp Marmal nahe Masar-i-Scharif im Norden Afghanistans – um zu lernen, wie sie mehrfach betont. Es ist eine Art Crashkurs, den die 55-Jährige absolviert, und sie hat sich viel vorgenommen.

Ursula von der Leyen spricht mit einem Soldaten in Mazar-e-Sharif, (c)AFP
Ursula von der Leyen spricht mit einem Soldaten in Mazar-e-Sharif, (c)AFP

In der sogenannten Dining Facility, einer großen Kantine für die Truppe, herrscht bei von der Leyens Ankunft im Morgengrauen bereits reger Betrieb. Hinten anstellen, lautet das Motto, auch für die Chefin. Von der Leyen wählt Müsli, ein Brötchen mit Marmelade und einen Milchkaffee – und beginnt mit dem, was sie den ganzen Tag über tun wird. Sie hört den Soldaten zu, die mit ihr am Tisch sitzen, unmittelbar um sie herum fünf Männer und eine Frau.

“Fragen Sie mich, was Sie mich schon immer fragen wollten, sonst fange ich an zu fragen”, droht von der Leyen scherzhaft und fängt sogleich an. Wie der Alltag nach dem Frühstück aussehe und wie es mit “Zwischenfällen” aussehe, will sie wissen. Das Gespräch verläuft immer leiser und ist bald nicht mehr zu verstehen, bis von der Leyen schließlich die Journalisten aus dem Raum bittet. Es wird deutlich, dass sie im kleinen Kreis erfahren will, was die Truppe bewegt.

Draußen herrschen Temperaturen um den Grefrierpunkt bei leichtem Wind. Es fallen einzelne Schneeflocken – die ersten des Winters, wie Soldaten berichten. Von der Leyen hat noch Termine im Innern von Gebäuden, etwa Briefings mit dem ISAF-Kommandeur, US-General Joseph Dunford, und dem deutschen Kommandeur Jörg Vollmer. Es folgen einige Worte an die Medien – über die Wichtigkeit des Einsatzes und die Notwendigkeit, auch nach dem Abzug der Kampftruppen Ende 2014 weiter in Afghanistan präsent zu sein.

Neuigkeiten sind nicht zu erfahren, doch zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar, dass es darum auch nicht geht. Von der Leyen ist nach Afghanistan gekommen, um sich ein Bild zu machen und sich vorzustellen. Die Niedersächsin hat zwar langjährige Regierungserfahrung, das Verteidigungsressort ist aber neu für sie. Und für die Bundeswehr wiederum ist eine Frau an der Spitze auch eine Neuheit.

Das weitere Programm findet draußen statt, die Ministerin wechselt die Kleidung, Jacke und Schuhe werden dicker. Doch von der Leyen hält durch – das Gedenken am Ehrenhain ebenso wie die ausgedehnten Besuche beim Logistischen Unterstützungsbataillon sowie in der Materialschleuse. Und am Abend besucht sie dann trotz der Kälte noch den Weihnachtsmarkt im Camp.

Von der Leyen nimmt sich überall Zeit, fragt nach Details, lacht viel und dankt jedem Gesprächspartner. Bei manchen Erklärungen, etwa zur Struktur der Bundeswehr, lächelt sie bereits wissend. Bei einer Klage über verzögerte Lieferungen von Ersatzteilen für neuere Fahrzeuge hakt sie sofort nach.

Mit einem Hauptfeldwebel, der bei der Vorführung von Truppenfahrzeugen den für Patrouillen eingesetzten Dingo präsentiert, kommt von der Leyen ins Gespräch. Er hat fünf Kinder, noch dazu Hochzeitstag. Von der Leyen, selbst siebenfache Mutter, fragt nach dem Kontakt nach Hause und nach dem Weihnachtsfest im Camp. Soldaten gaben an, einen guten Eindruck von der neuen Ministerin zu haben. Beim ersten Besuch vermittelt von der Leyen, was sie den Soldaten verspricht: “Sie können sich auf mich verlassen.”


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