Wegen großen Erfolgs fast vergessen
Bundeswehreinsatz im Kosovo nach 15 Jahren weiter der zweitgrößte Verteidigungsministerin von der Leyen besucht deutsche Soldaten
 
von  Christof Meißner

Pristina, 15. Mai (AFP) – Hier sollte endgültig Schluss sein mit den bewaffneten Konflikten in Europa: Seit vor knapp 15 Jahren der Kosovo-Krieg endete, bemüht sich die internationale Gemeinschaft intensiv darum, die Lage im Land und in der Region zu beruhigen und zu stabilisieren. Die Krise in der Ukraine stellt den Kontinent nun vor neue Herausforderungen, mit denen bis vor kurzem kaum jemand noch rechnete. Da bietet ein Besuch im Kosovo für Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) eine gute Möglichkeit, die friedliche Entwicklung dieses Landes zu loben.

Parallelen zwischen dem Nato-Eingreifen auf dem Balkan und Russlands Vorgehen auf der Krim sieht von der Leyen nicht. Im Kosovo sei es darum gegangen, “einen Völkermord zu verhindern”, die Ausgangslage auf der ukrainischen Schwarzmeerhalbinsel sei “eine völlig andere” gewesen. “Dies ist eine unserer wichtigsten und unserer größten Missionen”, versichert von der Leyen den in der südkosovarischen Stadt Prizren stationierten Bundeswehrsoldaten in der Nato-geführten KFOR-Mission.

Im Februar feierte das Kosovo den sechsten Jahrestag seiner Unabhängigkeit (c) AFP
Im Februar feierte das Kosovo den sechsten Jahrestag seiner Unabhängigkeit (c) AFP

Die Soldaten hätten “einen ausgesprochen guten Ruf bei der Bevölkerung” und seien auch die Botschafter “unseres Landes, unserer Werte und eben auch Europas”, sagt die Ministerin. Große Worte, doch die Entwicklung im Kosovo gibt von der Leyen Recht. Die Lage gilt überall als ruhig, nur im Norden, wo die serbische Minderheit ihre Hochburgen hat, noch nicht als stabil. Im Schatten der Bundeswehreinsätze in Afghanistan und in Afrika verschwand die Kosovo-Mission in den vergangenen Jahren allerdings zunehmend aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Von etwa 50.000 Soldaten zu Beginn des Einsatzes schrumpfte die Zahl der internationalen Kräfte inzwischen auf rund ein Zehntel. Die Bundeswehr hat noch knapp 700 Soldaten im Kosovo stationiert. Mit dem raschen Ende der Mission ist aber nicht zu rechnen. Auch von der Leyen sagt, sie könne “kein präzises Datum” nennen und will einen Rückzug “mit Bedacht”. Sowohl Serbien als auch das Kosovo sollen langfristig in die Europäische Union und die Nato integriert werden. Auszuschließen ist nicht, dass der Einsatz sich noch so lange hinzieht.

An welchem Punkt das Kosovo beim Staatsaufbau derzeit steht, zeigt die Debatte über die Schaffung einer eigenen Armee. Der Streit mit der serbischen Minderheit über das Projekt der Regierung führte zuletzt zur Ausrufung einer vorgezogenen Parlamentswahl im Juni. Bis zum Jahr 2019 werden 5000 Soldaten und 3000 Reservisten angestrebt. Von der Leyen stellt sich hinter eine “kosovarische defensive Armee”. Auch die mitgereisten Verteidigungsexperten aus dem Bundestag, Michael Brand (CDU) und Wolfgang Hellmich (SPD), sehen dies ähnlich.

Beim defensiven Charakter müsse es allerdings bleiben, sagt Hellmich. “Die Kosovaren brauchen keine Panzer”, sagt er. “Dass ein Staat wie Kosovo als unabhängiges Land eine eigene Armee aufbaut, ist zu begrüßen”, sagt seinerseits Brand, der aber noch viel Arbeit beim Aufbau staatlicher Strukturen sieht. Organisierte Kriminalität bleibe ein großes Problem, bis in die hohe Politik gebe es Korruption. Gerade bei Konflikten im Nordkosovo gehe es oft “nicht nur um nationalistische Interessen, sondern es treffen sich kriminelle Strukturen”, sagt Brand.

Für von der Leyen ist der Besuch trotz regnerischen Wetters eine Gelegenheit, Zuversicht und gute Laune zu verbreiten. Kurz nach ihrer Ankunft stimmt sie für eine deutsche Soldatin ein Geburtstagslied an, nach dem Hubschrauberflug über sattgrüne Wälder und Felder ins Camp Novo Selo im Nordkosovo raunt sie beim Antreten der bisherigen deutschen Einsatzkräfte und der bereits angereisten Ablösekompanie dem Hauptmann etwas zu. “Kompanie alt, Kompanie neu, lächeln!”, befiehlt dieser daraufhin. Befehl ist Befehl, es wird geschmunzelt.


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