Wider ein Ende mit Schrecken in Afghanistan
Ruf nach weiterer Unterstützung findet bei von der Leyen Gehör
 
von  Christof Meißner

Masar-i-Scharif – Knall auf Fall soll in Afghanistan nicht Schluss sein mit der internationalen Unterstützung. Das macht Bundesverteidigungsministein Ursula von der Leyen (CDU) bei ihrem Truppenbesuch am Wochenende mehr als einmal deutlich. Ihre Botschaft: Die ab dem Jahreswechsel auf den Kampfeinsatz folgende Mission zur Ausbildung und Beratung einheimischer Sicherheitskräfte – angelegt auf zunächst zwei Jahre – sollte erst dann vollständig enden, wenn am Hindukusch Stabilität herrscht.

“Wir brauchen sie”, sagt Oberst Maichil Ahmadullah von der Pionierschule im afghanischen Armeelager Shaheen nahe dem nördlichen Masar-i-Scharif über die internationalen Unterstützer. “Sie sind uns eine große Hilfe, vor allem die Deutschen.” In dem Camp sind 50 internationale Berater eingesetzt, darunter acht Deutsche. Ihre Aufgabe ist es, Ausbilder zu schulen, damit diese ihr Wissen dann an andere afghanische Sicherheitskräfte weitergeben.

AFGHANISTAN-GERMANY-DEFENCE-VON DER LEYEN ((c) AFP)

Ursula von der Leyen in Afghanistan ((c) AFP)

Ausgebildet wird in Shaheen und in anderen Stützpunkten sowohl an Waffen und militärischem Gerät als auch in zahlreichen anderen Bereichen. Das Fernmeldewesen gehört ebenso dazu wie geheimdienstliche Aufklärung, Logistik, Fahrzeugreparatur und handwerkliche Fähigkeiten wie Mauern oder Holzarbeiten. “Hier wird sich im Wesentlichen nicht viel ändern”, sagt ein Bundeswehrsoldat über den baldigen Übergang vom Nato-geführten Isaf-Kampfeinsatz zur Unterstützungsmission “Resolute Support”.

Auch der deutsche Chefberater Oberst Thomas Greggersen bestätigt, dass die Strukturen im Camp mit seinen etwa 4000 afghanischen Soldaten in Ausbildung zunächst wie bisher erhalten bleiben sollten. “Im Gefecht draußen sind die Afghanen gut, da brauchen sie uns nicht”, sagt er. Bei Ausbildung und Planung sei aber weiter Hilfe nötig. Unter den bis zu 850 Soldaten, die Deutschland für “Resolute Support” entsenden will, sollen demnach etwa 70 Berater für die Afghanen sein.

In der Hauptstadt Kabul sind bereits rund zehn Bundeswehrangehörige zur Beratung von Ministerien eingesetzt, unter anderem in den Ressorts für Verkehr und Gesundheit. Oberst Frank Gräfe, zuständig für Luftfahrt, sagt, der Bereich sei “ein Superbeispiel, weil es ihn vor 13 Jahren noch gar nicht gab”. Nun nehme Afghanistan dutzende Millionen Dollar im Jahr an Überfluggebühren ein – etwa drei Prozent des Staatshaushalts. Bei der Sicherung des Luftraums sei aber “auch mittelfristig” noch Hilfe nötig.

Sorge bereitet in Afghanistan vor allem die Sicherheitslage, die sich mit dem schrittweisen Rückzug der internationalen Kräfte aus der Fläche zuletzt wieder verschlechterte. Die Zahl der getöteten afghanischen Sicherheitskräfte allein im laufenden Jahr wird mit etwa 2000 angegeben, bei Anschlägen sterben auch immer wieder Zivilisten. Dies weiß auch von der Leyen, die verspricht, die neue Mission werde “mit aller Kraft” angegangen und nicht “abrupt”, sondern “mit großer Besonnenheit” beendet.

Für Oberst Ahmadullah wäre ein baldiges Ende der Zusammenarbeit mit seinen internationalen Beratern ein schwerer Schlag, wie er zugibt. “Sie sind nicht nur Gäste, die von außerhalb kommen, sie gehören zu unserer Schule dazu”, sagt er. Von der Leyen macht allerdings bei allem Willen zur weiteren Unterstützung deutlich, dass die ausländischen Kräfte nur noch “in der zweiten Reihe” agieren und diejenigen beraten sollten, “die jetzt selbst den Aufbau ihrer Sicherheitskräfte in die Hand nehmen”.

Zudem ist die militärische Komponente für die Verteidigungsministerin nicht alles. Nach einem Gespräch mit afghanischen Jurastudentinnen, das wesentlich länger dauert als geplant, lobt sie die jungen Frauen als “die Zukunft Afghanistans”. Sie seien “entschlossen, ihre Rechte wahrzunehmen” sowie “Bildung zu suchen und sich damit das Tor zur Welt zu öffnen”. Ein Tor könnte sich für die Studentinnen schon bald nach Deutschland öffnen, denn von der Leyen lädt sie zu einem Besuch ein.

Diesen Beitrag teilen Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • YahooMyWeb
  • email
  • MySpace
  • TwitThis