In Wien brüllen die Gegner die Pegida-Anhänger einfach nieder
Islamkritiker an Abendspaziergang gehindert
 
von  Ralf Isermann

Wien (AFP) – Zuerst rufen sie “Wir sind das Volk”, dann brüllen sie es. Immer wütender werden die Pegida-Anhänger, die Montagabend zum ersten Aufmarsch der Islamkritiker nach Wien gekommen sind. Denn Gegendemonstranten verhindern mit einer Blockade ihren geplanten Zug durch die Altstadt. Neonazis, die sich den Pegida-Anhängern angeschlossen haben, reagieren mit dem Hitlergruß und verschrecken die bürgerlichen Pegida-Anhänger. Ein denkbar schlechter Start im Nachbarland. In Deutschland geht die Erosion der Gruppe derweil weiter.

In Österreich war im Vorfeld des ersten dortigen Pegida-Auftritts die Spannung groß, wie stark der Zulauf sein wird und was für Menschen kommen werden. Vereinzelt mischten sich Familien unter die Pegida-Anhänger. Einige Paare im Alter zwischen 30 und 60 Jahren waren darunter, auch Ewiggestrige. “Wir müssen etwas machen, damit das Gesindel aus dem Ausland nicht mehr hierher kommt”, sagte etwa ein 84 Jahre alter gebürtiger Wiener voller Hass. Für ihn war es das erste Mal in seinem Leben, dass er zu einer Demonstration ging.

Vor allem aber waren es junge Männer, einige auf den ersten Blick als Neonazis erkennbar, die sich auf der Freyung in der Wiener Altstadt versammelten. Einige waren vermummt, einige trugen selbstgebastelte Schildchen mit Nazi-Emblemen oder etwa einem “SA” auf der Jacke. Die Polizei kündigte an, ihr Videomaterial von der Kundgebung auszuwerten und Rechtsradikale für den Hitlergruß zu belangen.

Der Sprecher des österreichischen Pegida-Ablegers, Georg Immanuel Nagel, versuchte diese Umtriebe als die Taten vereinzelter “Provokateure” abzutun. Den Gesamteindruck dürfe dies nicht trüben, denn der sei positiv, schrieb Nagel auf Facebook. Es seien außerdem viel mehr Menschen gekommen als erwartet.

Er hatte im Vorfeld 250 Teilnehmer angemeldet, laut Polizei waren 400 erschienen. Doch mit dem Hinweis auf die über den Erwartungen liegende Teilnehmerzahl versuchte Nagel auch zu rechtfertigen, dass die Pegida-Premiere organisatorisch eine Blamage war. Nagel hatte sich nicht einmal ein Podest besorgt, von dem er zu den Demonstranten sprechen konnte. Verloren stand er mit einem Megafon mitten auf der Freyung, sein Versuch einer Rede ging unter.

Pegida Demo in Wien ((c) AFP)
Pegida Demo in Wien ((c) AFP)
Und nachdem die Gegendemonstranten aus der linken Szene die geplante Route durch die Altstadt erfolgreich blockiert hatten, entwickelte sich der Abend zu einer reinen Brüllveranstaltung: Dem gebrüllten “Wir sind das Volk” der Pegida-Anhänger brüllten die Gegner “Nieder, nieder, nieder mit Pegida” entgegen. Immer wieder kam es zum Gerangel, die Polizei nahm mehrere Menschen vorläufig fest.

Ob Pegida sich nach diesem durchwachsenen Start überhaupt in Österreich wird durchsetzen können? Nagel wollte sich zunächst nicht festlegen, ob er für kommenden Montag erneut eine Demonstration in Wien anmeldet. Es werde aber auf jeden Fall in Zukunft weitere Demonstrationen geben, sagte er. Und in Linz soll es am Sonntag die erste Demonstration außerhalb Wiens geben.

Auf Rückenwind aus Deutschland können die österreichischen Pegida-Anhänger derzeit kaum hoffen. Die mit dem Führungschaos in Dresden begonnene Erosion der Gruppe setzt sich beschleunigt fort. So wollen die ehemaligen Pegida-Organisatoren um Kathrin Oertel mit einer neuen eigenen Gruppe auftreten und sonntags demonstrieren. Die Leipziger Legida, ein deutlich radikalerer Ableger, wiederum sagte alle ursprünglich bis zum Jahresende geplanten Freitagsdemonstrationen wieder ab.

Und in München brachte der ebenfalls radikale Ableger Bagida Montagabend nur noch 350 Menschen auf die Beine, nachdem die Montagsdemonstrationen dort zuletzt wiederholt gute tausend Teilnehmer hatten. In der bayerischen Landeshauptstadt gingen dafür 15.000 Menschen für eine Lichterkette für Toleranz auf die Straße. Friedlich, so wie auch die 5000 Menschen, die in Wien vor dem Pegida-Aufmarsch eine Gegendemonstration abgehalten hatten.

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