Unter den Palmen von Phuket ist der Schrecken des Tsunamis weit weg
Gefahr von Naturkatastrophen ist nicht gebannt
 
von  Johanna Pflüger

Phuket (AFP) – Am Strand von Phuket aalen sich die Urlauber bei über 30 Grad im Schatten. Palmen, Sonne, Sand – eine Postkartenidylle. Kurz vor dem zehnten Jahrestag des Tsunamis scheint die Katastrophe im thailändischen Urlaubsparadies weit weg. Damals starben allein im Süden Thailands mehr als 5400 Menschen, die meisten Touristen, darunter 534 Deutsche – auch weil niemand auf eine solche Jahrhundertkatastrophe vorbereitet war.

Damit so etwas nie wieder passiert, berät die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2013 im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums Hotels und Resorts in Risikogebieten, etwa bei der Ausarbeitung von Notfall- und Evakuierungsplänen. Sie holt sich dabei den Rat von Experten wie Jayne MacDougall, die im Luxushotel “Le Méridien Phuket Beach Resort” für die Sicherheit zuständig ist.

Strand in Khao Lak ((c) AFP)
Die Australierin feierte am 25. Dezember 2004 mit zweihundert Kindern eine Weihnachtsparty am Hotelstrand. Auch ihr zweijähriger Sohn war dabei. “Am nächsten Morgen war nichts mehr, wie es war”, sagt MacDougall. Dabei hatten die Menschen in der Nobelherberge riesiges Glück, als die Tod bringende Welle kam. Nicht nur war die Wucht des Wassers dort geringer als anderswo, ein Mitarbeiter erkannte die Gefahr und leitete die Evakuierung ein – niemand kam ums Leben.

Bis heute gibt es für die Hotels in Khao Lak und Phuket keine verbindlichen Sicherheitsstandards, bedauert der in Bangkok ansässige GIZ-Experte Stephan Huppertz. Tausende Touristen hätten im Katastrophenfall keine Ahnung, wie sie sich verhalten sollen, warnt er.

Auch in seiner Unterkunft in Khao Lak hat der Kölner Manfred Pfaffinger, der mit seiner Frau zum ersten Mal Urlaub in Thailand macht, keine Schilder für die Fluchtroute oder Notfallpläne wahrgenommen. Pfaffinger glaubt aber fest daran, “dass nichts passiert”. Und wenn doch, helfe nur noch “Beten”.

Schild der Tsunami-Evakuierungsroute ((c) AFP)
Solche Schicksalsgläubigkeit ist GIZ-Experte Huppertz fremd. Zwar gibt es inzwischen ein nationales Tsunami-Frühwarnsystem, und im Idealfall bleiben bis zu 50 Minuten Zeit für eine Evakuierung. Doch Huppertz will auch erreichen, dass offen mit den Urlaubern gesprochen wird – was viele in der Branche scheuen, weil sie ihre Gäste nicht verängstigen wollen. Zusammen mit Behörden und Touristikunternehmen will die GIZ bis zum kommenden Jahr Standards für die Sicherheit in Hotels festlegen.

Das “Méridien” gilt heute als Vorbild in Sachen Risikomanagement: Es verfügt über mobile Generatoren und eine eigene Wasseraufbereitungsanlage, das Schwimmbad dient als zusätzlicher Wasserspeicher. Dreimal im Monat übt das Personal für den Ernstfall.

“Gehen Sie nicht an den Strand, um sich den annähernden Tsunami anzuschauen”, heißt es auf Deutsch in einer Tsunami-Informationsbroschüre, die in acht Sprachen in allen 470 Zimmern des Hotels ausliegt. Auf dem Gelände zeigen diskrete Schilder den Fluchtweg an. Tsunami-Warnungen erhält Sicherheitsexpertin MacDougall per SMS von einer deutschen Spezialfirma, zusätzlich sind die Risikomanager mit der US-Erdbebenwarte USGS sowie der thailändischen Katastrophenschutzbehörde verbunden.

Wird aufgrund der vorliegenden Informationen die Evakuierung angeordnet, heulen zwei Sirenen am Strand los, und per Lautsprecher werden die Gäste angewiesen, sich an den Sammelpunkt hinter dem Tennisplatz zu begeben. Von dort werden sie an einen höher gelegenen Ort gebracht.

Zu Weihnachten wird das “Méridien” voll wie immer sein, erwartet MacDougall. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass in absehbarer Zeit eine derart zerstörerische Flutwelle wie vor zehn Jahren über die Region hereinbrechen könnte. Doch die Touristen müssen auch vor anderen Naturkatastrophen geschützt werden, die aufgrund des Klimawandels immer häufiger werden, sagt Huppertz: Er fordert, dass die Hotels für Erdbeben, Tropenstürme oder Erdrutsche besser gerüstet sind.

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